von Hans-Benno Hauf
Nachdem im Jahre 1890 es möglich wird, Arbeitervereine zu gründen, entsteht der „Arbeiter-Sängerbund für den Rhein-Maingau. Unter dem Motto "Der Freiheit sei mein Lied geweiht" gründen am 19. Juli 1906 vierundfünfzig Genossen im Gasthaus "Zur Rose" den Arbeiter-Gesangverein "Sängergruß" Ginsheim[1].
Erster Vorsitzender wird Philipp Rauch IV, sein Stellvertreter Peter Thomas, Philipp Hübner I. Schriftführer und Julius Wiesenfeld dessen Vertreter. Die Kasse führt Ludwig Seitz. Ökonom ist Wilhelm Schalk, Beirat Jakob Kolb und Revisoren sind Johann Hummel und Heinrich Luley.
Finanziell unterstützt von den Brudervereinen Turner, Radfahrer und Sozialdemokratische Partei kann alsbald mit 34 Sängern die Probenarbeit unter Leitung von Wilhelm Becker aus Mainz aufgenommen werden. Die erste Gesangsprobe unter dem neuen Dirigenten Hermann Behne aus Mainz findet am 1. Juli 1908 statt.
Nach dem Ersten Weltkrieg nimmt der Verein mit in bewegten Zeiten im April 1919 die Probenarbeit wieder auf, feiert unter Mitwirkung sämtlicher Ortsvereine am 11.07.1921 sein 15-jähriges Stiftungsfest. Mit dem neuen Vorsitzenden Karl Müller wird das 25-jährige Bestehen groß gefeiert: Zum Fackelzug, Festkommers, Weckruf, Ball und Festkonzert, Volksfest und Brillantfeuerwerk ist ganz Ginsheim beteiligt.
Noch 1932 vermerkt der Chronist die Beteiligung an der Verfassungsfeier im Saalbau Meixner in der Neckarstraße oder bei der Wohltätigkeitsveranstaltung der Kolonne des Ginsheimer ASB oder beim Konzert des Musikvereins 1924 unter der Leitung von Georg Dauborn.
Am 23. Mai 1933 verbietet die NSDAP den Arbeitergesangverein Sängergruß, beschlagnahmt das Vereinsvermögen, Fahne, Flügel und Noten. Schon bald nach dem Ende der Nazi-Herrschaft gründen die Ginsheimer Sänger vom Gesangverein 1842, der Concordia, der Harmonie und des Sängergrußes am 02.03.1946 auf Initiative von Karl Müller, Wilhelm Rauch und Wilhelm Schorr die Chorgemeinschaft SCH 1842.
Bild: Sängerfest am 11. und 12. Juli 1921
hinten links Johann Philipp Stahl, Rheinstraße 4, vorne links Philipp Fischer, Hauptstraße 57,
vorne rechts Johann Reinheimer, Hauptstraße 22
Bildquelle: Heimatmuseum Ginsheim-Gustavsburg
[1] aus Festschrift zur Fahnenweihe des Arbeiter-Gesangvereins „Sängergruß“ Ginsheim, Pfingsten 1925

