von Hans-Benno Hauf
Gewerkschaft in Ginsheim ist nachweisbar, als am 30.12.1928 Heinrich Kirschner aus der Neckarstraße als Vertreter des Gewerkschaftskartells Ginsheim in die Kommission zur Eingemeindung in die Stadt Mainz berufen wird. Am 20. Dezember 1931 veranstaltet ein Gewerkschaftskartell Ginsheim eine Weihnachtsbescherung für 250 Kinder der Vereine, musikalisch vom Arbeiter-Gesangverein umrahmt und bei der Erwerbslosenversammlung des Ginsheimer Gewerkschaftskartells am 9. Januar 1933 spricht Redner Siegfried Höchster.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ist 1950 im Bischofsheimer Lokal-Anzeiger von einer Maifeier der Gewerkschaft in der Ginsheimer Turnhalle zu lesen, bei der zwei Chöre der Volksschule, die Volksmusikgemeinschaft, den „Rheinischen Fünf“ und die Chorgemeinschaft unter ihrem neuen Dirigenten Goldberg aus Wiesbaden mitwirken.
„Seit Fastnacht übt eine Gruppe Männer und Frauen ein Theaterstück ein, das am 29. April in der Turnhalle seine Uraufführung erfahren soll. Dieses Stück, geschrieben von Schulleiter Otto Wenke, gespielt von Laien unter der Leitung von Georg Schmitt, zeigt in vier Akten die Entwicklungsgeschichte der Gewerkschaft und ist als Spiel für den 1. Mai gedacht. Der erste Akt zeigt einen düsteren verwahrlosten Fabrikraum in den achtziger Jahren und schildert krass die unsozialen Verhältnisse in den damaligen Werkstätten und das mitunter noch unsozialere Verhalten der Fabrikherren und ihrer gekauften Kreaturen. Im zweiten Akt, etwa 5 Jahre später, begegnen wir Streikposten vor einem Fabriktor und erleben das Streikende. Der Streik geht zugunsten des Fabrikherren aus. Im dritten Akt, wieder 10 Jahre später, kommt der Fabrikherr durch das menschliche Verstehen seiner eigenen Tochter, die die Not der Arbeiter sieht, zur Einsicht und erfüllt die ersten Bedingungen der sich gründenden Gewerkschaften. Im vierten Akt hält dann der Held des Stückes, der Arbeiter „Vater Bornemann“, an seinem 70. Geburtstag Rückblick auf die geleistete Gewerkschaftsarbeit und zeigt seinen alten Arbeitskameraden das letzte und schönste Ziel der Einigkeit der Arbeiter.“ [1]
Die Maifeier 1951 des Ginsheimer Ortskartells unter Vorsitz von Georg Bender ist mitgestaltet von der Chorgemeinschaft, der Musikkapelle „Rheingold“, der Volksmusikgemeinschaft, dem Handharmonika-Spielring, der Radsportgemeinschaft und den Naturfreunden. Nachmittags gibt es für die Schulkinder Brezel, am Abend ist Mai-Tanz.
Ein Jahr später bewirtet das Ortskartell im Café Ambach rund einhundert alte und arbeitsunfähige Mitglieder mit Kaffee und Kuchen und abends mit einem Wurstbrot. Zur Unterhaltung trägt Humorist Wilhelm Schmitt und die Hauskapelle von Georg Dauborn bei. In den nächsten Jahren finden regelmäßig Mai-Feiern unter Beteiligung verschiedener Ortsverein in der Turnhalle statt, bis 1968 erstmals wegen allzu geringer Beteiligung in den Vorjahren die Veranstaltung abgesagt wird. 1976 erfolgt die Wiedergründung des Ortskartells Ginsheim und mit dem Vorsitzenden Manfred Luley beginnen wieder Mai-Feiern, aber auch Grillabende und Flohmärkte auf dem Friedrich-Ebert-Platz.
Mitgliedermangel führt in den 90er Jahren zur Gründung eines DGB-Ortskartells Ginsheim-Gustavsburg mit Lorenz Darmstadt, Hans-Otto Lommel und Marianne Strasser an der Spitze. Die letzte in Gustavsburg durchgeführte Kundgebung zum 1. Mai 2007 besuchen noch fünfunddreißig Interessierte.
[1] Lokal-Anzeiger Nr. 15 Jahrgang 22 vom 13. April 1951

