von Hans-Benno Hauf
Bereits 1876 gibt es in Ginsheim eine Kinderbetreuung durch die Gemeinde. Dies bezeugt eine Anzeige vom 25. Februar im Groß-Gerauer Kreisblatt, wonach die „Kleinkinderbewahranstalt“ Ginsheim Mädchen mit sehr guten Zeugnissen sucht, die waschen, bügeln und kochen können. Und im November 1884 wird berichtet, dass von 90 Kindern 56 an Masern erkrankt sind und die „Kleinkinderschule“ geschlossen werden muss. Wo die Kinderbetreuung stattfindet ist nicht überliefert.
Im Jahr 1885 jedenfalls eröffnet die Gemeinde in einem von den Erben des kinderlos gebliebenen Schifferehepaars Werner in der Gartenstraße 3 eine „Kleinkinderbewahranstalt“. Im Hof wird eine Kastenschaukel aufgestellt, in der bis zu zehn Kinder Platz haben. Nach Erinnerungen von Robert Stahl[2] ist der Besuch kostenlos, montags bringen die Kinder freiwillig einen Groschen dem Fräulein „Bienchen“ Philippine Crusius mit, die schon seit 1877 die Betreuung inne hat und 1912 in den Ruhestand geht.
Ausweislich der wenig vorhandenen Unterlagen erhalten die Kinder der jetzt offiziell als Kleinkinderschule bezeichnete Einrichtung 1932 jeden Morgen einen von dem evangelischen Frauenverein finanzierten Becher Milch. 1935 wird „Tante“ Margarethe Rauch Leiterin des Kindergartens in der Gartenstraße.
Zwei Jahre später geht die Oberaufsicht auf die NVS (Nationale Volkswohlfahrt) der Nationalsozialisten über. Eine rein christliche Erziehung im Sinne von Fräulein Amelung und Fräulein Rauch ist nicht mehr erwünscht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verkauft am 23. Februar 1951 die Stadt Mainz seit dem Jahr 1930[3] Eigentümerin das ehemalige Kindergartengebäude in der Gartenstraße an die Spar- und Darlehnskasse Ginsheim[4] und erwirbt das Haus Dammstraße 45 zur Einrichtung eines neuen Kindergartens. Dieser wird am 18. April 1953 durch den Beigeordneten Willi Bender in Anwesenheit von Landrat Harth und dem Mainzer Oberbürgermeister Stein seiner Bestimmung übergeben.
In Gustavsburg beginnt am Cramer-Klett-Platz der Bau einer Kleinkinderschule mit Lesezimmer, Bibliothek und Wohnungen für Hausverwalter und Kinderlehrerin durch die Gemeinnützige Baugenossenschaft Gustavsburg[5] im November 1913. Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für die Bauherrin unter der Voraussetzung, dass Kinder von Beschäftigten der M.A.N. bei der Aufnahme in die Betreuung nicht bevorzugt werden dürfen.
[1] Aufnahme um 1900 in der Gartenstraße
[2] Jahrgang 1891, zitiert in der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 05.10.1979
[3] Eingemeindung von Ginsheim-Gustavsburg in die Stadt Mainz
[4] später Genossenschaftsbank Ginsheim, heute Volksbank Mainspitze
[5] heute Gemeinnützige Baugenossenschaft Mainspitze eG

