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Neues vom Stadtschreiber: Multatuli in Gustavsburg

von Hans-Benno Hauf

Eduard Douwes Dekker wird am 2.März 1820 in Amsterdam in einer mennonitischen1 Familie geboren. Er arbeitet nach abgebrochener Schule zunächst in einer Textilhandlung, schifft sich mit 18 Jahren nach Ostindien in den holländischen Staatsdienst ein. 1852 erhält er – schwer krank – Europaurlaub, wo er im belgischen Spa, in Bad Homburg und Wiesbaden trotz seinem für „unfehlbar“ gehaltenen System sein ganzes Geld in den Spielbanken verliert. Zurück in Java schreibt er wenig beachtete Zeitungsartikel und Pamphlete über koloniale Mißstände. Erst der Roman Max Havelaar oder Kaffeeversteigerungen in der Niederländischen Handelsgesellschaft, den er unter dem Pseudonym Multatuli2 1860 veröffentlicht, macht ihn weit über die Niederlande hinaus bekannt. Als er korrupte Machenschaften des Regenten in Java anprangert, wird er als Kolonialbeamter entlassen.

Wieder in Europa – seit 1846 mit Everdina Huberta Baronesse van Wijnbergen3 verheiratet – ist sein Leben von Frauengeschichten geprägt. Zu diesen zählen u.a. seine Nichte, eine aus einem Bordell freigekaufte Französin, eine rebellische Pfarrerstochter, die niederländische Schriftstellerin Marie Anderson und die Schauspielerin Mina Krusemann. 

Ständig auf der Flucht vor seinen Gläubigern kommt er mit der Freundin Mimi4 1870 nach Mainz. Doch in der Bundesfestung darf nur bleiben, wer Lebensmittel für sechs Wochen nachweisen kann. Sie nehmen deshalb von Juli bis November in der Gaststätte „Zur Gustavsburg5“ Quartier, von dort ziehen sie in Wiesbaden, Schillerplatz 4, ein. 1877 erwirbt er mit Hilfe eines unbekannten reichen Gönners ein Landhaus auf der „Steig“ in Nieder-Ingelheim6. Er stirbt am 19. Februar 1887, heillos zerstritten mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer, an seinem Asthma-Leiden. In den Niederlanden ist „Dek“ unvergessen, in Deutschland lebt der Autor nur noch im Antiquariat.



  1. Angehörige einer evangelischen Freikirche, Erwachsenentaufe, Verweigerung von Wehrdienst und Eid
  2. lat.: etwa: viel habe ich gelitten
  3. gestorben 13. 09. 1874 in Venedig.
  4. Maria Hamminck-Schepel (1839 – 1930)
  5. erbaut 1834/36, heute Kolpingstraße 9
  6. Mainzer Straße 255,Ingelheim, ehemals Landgasthof Multatuli, heute buddhistisches Meditationszentrum Bild-Quelle: © Imago Images
  7. Text-Quelle: nach Aufzeichnungen von Claus Daschmann, Wikipedia

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