von Hans-Benno Hau
"Wuchtbrumme im Papageienkäfig" überschreibt eine Zeitung den Bericht über das erste Hessische Beatfestival am 20. und 21. August 1966 in der Ginsheimer Turnhalle unter der Schirmherrschaft vom Hamburger Star-Club[1].

Der Reporter schreibt von einer Modenschau mit handflächengroßen violetten Zelluloidohrringen am Pagenkopf, sehr stoffsparendem blauen Minikleid, kombiniert mit beinahe hüftlanger blonder Lockenmähne. Er entdeckt in der in hellen Scharen anwesenden beatbesessenen Jugend eine in Entzückungsschreie ausbrechende Vollschlanke, die mit geschlossenen Augen ihren Körper in dem von der Bühne in den Saal dröhnend herzbewegenden und kreislaufbeschleunigenden Rhythmus wiegt. Acht Stunden bringen fünfzehn wenig bekannte Bands am Samstag die jungen Gemüter mit viel Lautstärke in Wallung. Jede Kapelle hat fünf Lieder in englischer Sprache darzubringen. Mangelnde Sprachkenntnisse werden durch Lautstärke anstatt von Stimmbändern aus elektronischen Verstärkern ersetzt.
Trotz Ankündigung fehlen Rundfunk und Fernsehen. Auch Beat-Jockey „Atze“ [3] von Radio Luxemburg glänzt durch Abwesenheit. Stattdessen kommt von einer Frankfurter Schallplattenfirma ein Peter Bohle, der am Sonntag einundzwanzig Formationen anmoderiert, ob der Geräuschkulisse meist vergeblich. Trotzdem die Anwohner erst lange nach Mitternacht zum Einschlafen kommen, meldet die Polizei kein Erfordernis zum Einschreiten und nach Wilfried Wucher, Vorsitzender der Sport- und Kulturgemeinde, hat keiner besonders über die Stränge geschlagen.
Beim zweiten Hessischen Beatfestival am 14. Oktober 1967 bewerben sich 36 Bands in Anwesenheit von Produktionsleitern verschiedener Plattenfirmen um den Hessischen Beat-Meister-Titel.
Erinnern Sie sich an das Festival der Country- und Westernfans am 6. Juni 1993 im Bürgerhaus Ginsheim mit Stargast Dave Dudley? Oder an das Benefiz-Kulturfestival "Power to the People" der Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau mit achtzehn Gruppen am 12. August 2000 im Bansen zwischen Hochwasserdamm und Altrhein?
[1] Kontakt durch Wilfried Bender, Ginsheim
[2] „Zwischen Main und Ried“, Mainzer Allgemeine Zeitung vom 22.08.1966
[3] Hans-Karl Friedrich

