Zeitung

Neues vom Stadtschreiber: Notlandung

von Hans-Benno Hauf

 In einer Schachtel mit alten Gustavsburger Bildern liegt ein Bild, beschriftet mit "Notlandung 1931 im Hafen Gustavsburg". Der Tag und Monat der Aufnahme und der genaue Standort des Fotografen ist nicht vermerkt und auch sonst finden sich keine Hinweise, die die Geschehnisse aufhellen und den Sachverhalt verifizieren könnten. Die Kleidung der Menschen auf dem Bild lassen einen Tag im Herbst, Winter oder Frühling vermuten. Dem Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig ist ein solcher Notfall nicht bekannt.

Das Flugzeug mit der historischen Kennung D-1785, eine Do R Sas, Superwal R4 wird mit der Werknummer 209 bei der Firma Dornier am Bodensee gebaut und verfügt über Siemens Sh 20 Jupiter-Motoren[1]. Leider ist bei Dornier der Erstflug und der Verbleib der Maschine nicht vermerkt. Fest steht, dass sie in den Jahren 1929 und 1930 in Diensten der Deutschen Lufthansa[2] fliegt und dann im Auftrag des Reichsverkehrsministeriums eingesetzt ist. Doch da verliert sich die Spur. 

Im Bundesarchiv sind zu dieser Zeit keine diesbezüglichen Akten zu finden. Menschen in Gustavsburg, die sich möglicherweise hätten erinnern können, sind nicht mehr am Leben. Aufzeichnungen von diesem für diese Zeit in Gustavsburg doch herausragendem Ereignis finde ich nicht. Da kommt das Internet zu Hilfe. Ein Handelshaus für Ansichtskarten und Fotografien bietet über eBay ein Bild mit der Inschrift "Erinnerung an das D 1785 am 21. Februar 1930 im Hafen I zu Mainz-Gustavsburg" zum Verkauf an[3]. Der Geschichte Auflösung erreicht mich mit einer Anfrage[4], ob die Demontage einer Dornier Superwal im Mainz-Gustavsburger Hafen 1930 im Archiv dokumentiert sei. Danach ist die D-1785 von Friedrichshafen zu einem Flug Richtung Amsterdam und Norderney am 17.02.1930 dem Rhein entlang gestartet, muss nachmittags in Höhe Bingen wegen einer Motorpanne[5] im Gleitflug auf dem Rhein niedergehen und wird vor der Festhalle Bingen verankert. Nach Eintreffen einer Werkskommission aus Friedrichshafen unter Leitung von Oberingenieur Hellwig erfolgt das Abschleppen mit Booten des Wasserbauamtes Bingen zunächst  wegen einbrechender Dunkelheit bis nach Mainz-Weisenau, um es am 21. Februar morgens in den Gustavsburger Reichsbahnhafen I zu ziehen, weil hier ein großer Hebekran und Gleisanschluss zur Verfügung steht. Das Flugboot ist eine große Attraktion und lockt Scharen von Neugierigen aus nah und fern an, so dass die Reichsbahndirektion Mainz das Betreten der Hafenanlagen für das Wochenende zur Besichtigung freigibt[6], während die Feuerwehr Mainz-Gustavsburg[7] die Bewachung übernimmt. Danach tritt die Dornier Superwal, aus dem Hafenbecken herausgehoben und demontiert, mit der Bahn die Reise in Begleitung von Flugzeugführer Fath mit seinen zwei Bordmechanikern zurück nach Friedrichshafen an.


[1] Quelle "Dornier Wal" und "Flugboote" von Hans-Jürgen Becker, Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt Friedrichshafen

[2] bestätigt von der Deutschen Lufthansa Köln und dem historischen Archiv der Lufthansa in Frankfurt

[3] was sogleich erworben wurde

[4] 2022 facebook-Goldenes Mainz/Alfred Berg

[5] "angesplissenem Propeller und Dülle im Flugzeugrumpf"

[6] Mainzer Anzeiger 22.02.1930

[7] damals MAN-Werksfeuerwehr

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