Neues vom Stadtschreiber ... Napoleon und die Gustavsburg(1)

von Hans-Benno Hauf
Als im Jahre 1801 das linke Rheinufer nach Frankreich kam und das Département Mont-Tonnère (Donnersberg) gebildet wurde, kamen Kastel, Kostheim und die Mainspitze als vormals kurmainzische Besitzungen durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zum Fürstentum Nassau-Usingen. Um die Mainzer Flanke nicht ungeschützt zu lassen, ließ Napoleon 1806 Kastel, die Maaraue und die Mainspitze in das Mainzer Befestigungssystem einbeziehen und recht bald darauf auch diese Gebiete sowie die Gemeinde Kostheim der französischen Herrschaft unterstellen. Am 1. Oktober 1804 unterzeichnete er ein Dekret zum Wiederaufbau der im Département Donnersberg zerstörten Verkehrswege, unter anderem auch die Planung neuer Straßen in Mainz2.Die Vorstellungen gingen sogar so weit, die Mainmündung hinter Kastel herumzuführen, um Kastel von Osten her besser abzusichern. Oberhalb der Mainspitze sollte der hinter der Bleiaue fließende Rheinarm in das trockene Mainbett geleitet und damit Kastel zu einer Art Insel werden.

Um die alte Mainmündung besser sichern zu können, schlugen die Ingenieure Napoleon bei seinem Besuch der Mainspitze im Oktober 1906 vor, die alte Schwedenfestung Gustavsburg wieder aufzubauen. Zwar waren die Anlagen verfallen, aber noch in Teilen vorhanden, so dass ihr Wiederaufbau erhebliche Summen eingespart hätte. In einem Rapport über Mainz und die rechtsrheinischen Festungsanlagen schrieb am 13. Juni 1807 der Erste Generalinspekteur der Genietruppen: „Die Reste der Forts Gustav(burg) haben noch eine ansehnliche Beschaffenheit. Die Gräben sind noch teilweise mit Wasser gefüllt, stellenweise tief genug, andererseits sumpfig, fast überall noch unwegsam.“ Für das Jahr 1808 wurden noch 300000 FF für die Wiedererrichtung der Gustavsburg veranschlagt, aber es kam bekanntlich anders. Die Mainspitze wurde am 30. Dezember 1808 Darmstädter Gebiet und kam zur Ginsheimer Gemarkung.

Quellen:

  1. nach nicht datierten Aufzeich
  2. nungen von Claus DaschmannEntwürfe im Stadtarchiv Mainz
 
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