Neues vom Stadtschreiber: Aus dem Ginsheimer Backhaus

von Hans-Benno Hauf

Vom Ginsheimer Gemeindebackhaus ist einiges überliefert. 1667 berichtet ein Eintrag im Kirchenbuch von dem „Gemeinen Bäcker“ Johannes Müller, 1769 wird dem Bäcker Johann Heinrich Schäfer eine Tochter geboren. 1794 heiratet der „Gemeinde Bäcker“ Johann Konrad Hauf die Anna Christina Wolf und deren gemeinsamer Sohn, Bäcker Balthasar Hauf, ehelicht 1831 die Anna Katharina Laubenheimer.

Der Enkel von Balthasar Hauf, Bäcker Peter Schorr, freut sich zu Weihnachten 1913 über die Installation von elektrischem Licht im Backhaus. 1914 zieht er um in das neu erbaute Haus Hauptstraße 20, wo sein Sohn Wilhelm Schorr mit seiner Ehefrau Maria geb. Schnecko das Bäckerhandwerk bis 1962 betreibt. Das alte Backhaus wird 1918 zum Mietshaus und 1978 verkauft.

Im erhalten gebliebenen Hauptbuch1 des Gemeindebackhauses finden sich Eintragungen von 1838 bis 18882. Die Kundenliste beginnt mit General Freiherr von Molsberg und enthält heute noch geläufige Namen wie Bender, Hebel, Hauf, Hübner, Ittner, Laun, Merten, Rauch, Reinheimer, Schäfer, Schneider, Schorr, Stahl, Traupel und Volz. Brot, anfangs ausschließlich aus Roggenmehl, wurde damals nur ein- oder zweimal pro Woche eingekauft, meist in Laiben von fünf Pfund. Das Mehl wurde in den alten Hohlmaßen Simmer (32 Liter)3 abgemessen. Das Fünf-Pfund-Roggenbrot kostete fast konstant 11 Kreuzer. Der Preis stieg nach Hochwasser und Missernten auf bis zu 24 Kreuzer4. Nach der Währungsumstellung 1875/76 kosteten die fünf Pfund zwischen 50 und 60 Pfennige. Barzahlung wurde erst nach 1880 bei nichtbäuerlichen Familien üblich. Bei den Besitzern von Rheinmühlen wurde der Betrag für Brot von der Rechnung für größere Mehllieferungen abgezogen. Bauern brachten oft Stroh- und handelsübliche Holzbündel, sogenannte „Wellen“, mit denen der Backofen geheizt wurde oder mit Korn, das in Maltersäcken gebracht und auf geliefertes Brot angerechnet wurde. Auch Dienstleistungen wurden gegen Brot eingetauscht: die Arbeiten im Gehöft des Bäckers, Haltung und Fütterung des Viehs, Pflügen, Kartoffel ausmachen, Mehl-und Holztransporte. Maler und Tüncher Jakob Rauch strich die Bäcker-Stube, legte Backstube und Hausgang an, renovierte die Hauswände und strich die Eisenschienen im Scheunenneubau. Da es noch keine Sozialversicherung gab, war die Finanzierung eines Fünfpfundbrotes als „Armengabe“ von der Gemeinde sicher oft überlebenswichtig. Bei der jährlichen Abrechnung wurde gleichzeitig der Kuhhirtenlohn, den der Bäcker an die Gemeinde zu zahlen hatte, von der Armenbrotsumme abgezogen. Schließlich gibt das „Backhaus-Buch“ Auskunft über die beiden „Großverbraucher“, die Gastwirtschaften Peter Schäfer und Cornelius Zimmermann und dem Hauptmehllieferanten Johann Ittner sowie über den unterschiedlichen Umgang mit säumigen Zahlern, von der Verrechnung mit einer Fuhre „Dickworz“5, Ausstellung von Schuldscheinen bis hin zu Zahlungsbefehl und Pfändung.

1 Aufbewahrt im Heimatmuseum
2 Zusammengestellt von Dr. Hildegard Kastrup
3 1 Malter = 4 Simmer = 128 Liter, 1/16 Malter = 1 Kumpf = 1/4 Simmer = 4 Gescheid = 8 Liter
4 Etwa 4 Pfennige
5 Futterrübe, Runkelrübe



 



 
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