Gedenkstätte für ehemalige Zwangsarbeiter der M.A.N.

Konzeption, Forschung, Texte und Abbildungen: Christine Hartwig-Thürmer
Gestaltung: Ute Sixel
Projektleitung: Andreas Klopp
(März 2020)


AUSLÄNDER-EINSATZ (Stele I)




NS-Diktatur 1933 – 1945 auch in Gustavsburg (Ergänzung)


Bild: Stolz auf die M.A.N - Tradition im Werk Gustavsburg seit 1860 – auch unterm Hakenkreuz. Direktor A. Deininger neben dem Jubilar (Foto aus Gemeindearchiv Bischofsheim)

Bild: Äußere Form – oder innere Überzeugung? Zum 50. Dienstjubiläum findet die Feier vor 1936 unter Führerbild und Hakenkreuz statt. (Foto aus Gemeindearchiv Bischofsheim)

Seit 1. Oktober 1936 führt Richard Reinhardt das Werk Gustavsburg. Er ist auch Vorstandsmitglied der M.A.N. und sorgt weiter für eine breite Produkt-Palette: Brücken, Schleusen- und Werftanlagen, Theaterbau, Gasbehälter, Maschinen aller Art, Zulieferer für Panzer, Waggons und Lastwagen sowie Pumpen und Rührwerke für die chemische Industrie.

Direktor Reinhardt ist kein Nationalsozialist, er arbeitet jedoch mit den Behörden von Staat und Militär für die Firma erfolgreich zusammen. Seine Entscheidungshoheit setzt er in betrieblichen Belangen, aber auch in der Gemeinde Gustavsburg durch, manchmal auch gegen verschiedene NS-Stellen.

Als der Ortsgruppenleiter, Georg Less, einen M.A.N.-Mitarbeiter wegen seiner jüdischen Ehefrau, Amalie Hartmann, bedroht, die Familie müsse aus der Wohnung ausziehen und bekäme keine Lebensmittelkarten mehr, setzt sich Richard Reinhardt erfolgreich für die Familie ein. Wenn nötig, würde die Familie von Wilhelm Hartmann mit Lebensmitteln aus dem Hofgut der M.A.N. auf der Bleiau versorgt. (Hier war den ganzen Krieg hindurch bis in die 60er Jahre hinein ein landwirtschaftlicher Betrieb, der auch Fachkräfte ausbildete.) Damit stellt er sich in scharfen Gegensatz zur örtlichen Parteipolitik.

1942 wird der GHH-Konzernchef Paul Reusch von Hermann Göring zum Rücktritt gezwungen. Jetzt entschließt sich Richard Reinhardt entgegen seiner politischen Auffassung zum Eintritt in die NSDAP, um die M.A.N. Gustavsburg nicht in nationalsozialistische Hände fallen zu lassen.

Bild: Richard Reinhardt (Foto aus Privatbesitz)

„Meine Stellung als leitender Direktor des Werkes Gustavsburg mit tausenden von Arbeitern und Angestellten und einem umfangreichen Produktionsprogramm ergab sehr viele Berührungspunkte mit örtlichen und höheren Parteistellen und sonstigen Gliederungen, ferner mit zahlreichen Behörden, Wirtschaftsgruppen und Ausschüssen, die selbstverständlich alle im nationalsozialistischen Sinne geleitet waren und zu arbeiten pflegten. Infolgedessen war es für mich nicht einfach, Eigenart und Abstand zu wahren, denn die Fügsamkeit des Menschen gegenüber episodischen Strömungen ist trübselig.“ (R. Reinhardt, 1946)

„Bei den Berliner Behörden spielte die Rassereinheit eine große Rolle. Ich kann mich noch erinnern, wie ich am 27.1.1943 in dem Ministerium angeschrien wurde, es sei eine Schweinerei, dass in unserer Firma, nämlich dem Augsburger Werk, noch fünf Juden in den oberen Stellen saßen und der leitende Direktor [Otto Mayer] sich von seiner Jüdin nicht scheiden lasse. Es war mit Anstrengungen und Aufregungen verbunden, die rabiaten Rassetheoretiker von der Anwendung ihrer Grundsätze auf unsere Firma zurückzuhalten.“ (R. Reinhardt 1946)

In dem Verfahren vor der Spruchkammer Groß-Gerau 1947 wurden von den aufgerufenen Zeugen der Verteidigung, aber auch von den Zeugen der Anklage, zahlreiche Beispiele dafür gegeben, wie Richard Reinhardt seine Leitungsfunktion als Direktor zum Schutz seiner Mitarbeiter erfolgreich ausübte. Hier ein besonders risikoreiches Beispiel:

„Der Leiter der M.A.N. Werksfeuerwehr, Feuerwehrmajor Kirchner, wurde durch das Eintreten Reinhardts vor dem Zugriff der Gestapo gerettet. Diese hatte ihn, weil er abgeschossene amerikanische Flieger, entgegen der Instruktion, vor dem Lynchmord bewahrte, als angeblich geisteskrank in eine Irrenanstalt interniert.“ (Aussage im Spruchkammerverfahren 1947)






Im 2. Weltkrieg: M.A.N.-Mitarbeiter an die Front – Zwangsarbeiter nach Mainz-Gustavsburg (Ergänzung)


Der Krieg, der von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten angezettelt und mit dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen am 1.9.1939 begonnen wurde, sorgte mit den Siegen über Polen und Frankreich erst einmal für Jubel.

Vor einem Bruch des Hitler-Stalin-Paktes durch einen Angriff auf die Sowjetunion warnten dagegen manche Verantwortliche in Regierung und Militär. Doch als Diktator konnte Hitler jetzt verwirklichen, was er schon 1924 in seinem ideologischen Programm „Mein Kampf“ genannt hatte: Eroberung in Richtung Osten mit dem Ziel der ‚Weltherrschaft‘. Albert Speer sollte ohne Rücksichten die Wirtschaftsproduktion dazu antreiben.

Zwangsarbeiter wurden aus allen von der Deutschen Wehrmacht besetzten Ländern rekrutiert.

Seit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 brachte man hunderttausende von jungen arbeitsfähigen Männern nach Deutschland, aber zunehmend auch junge Frauen und ganze Familien. Jeder Betrieb stand in großer Konkurrenz um diese Arbeitskräfte. Manche Industriekonzerne erweiterten ihre Produktion durch diese für sie ‚billigen Arbeitskräfte‘ .

Die M.A.N. Gustavsburg belegt, dass jeweils nur so viele Arbeitskräfte angefordert wurden, wie durch Einziehung zur Wehrmacht oder zur Flak Fachkräfte abgegeben werden mussten. (Statistiken in den „Internen Monatsberichten“ 1940-45, Historisches Archiv der MAN, Augsburg)

Für den Einsatz im Betrieb war der M.A.N.-Direktor verantwortlich. In den einzelnen Abteilungen gaben die Abteilungsleiter und die Meister die Anweisungen. Die Arbeitszeit stieg von 48 auf 52 Wochenstunden.

Der auch für Werbung zuständige Fotograf der M.A.N. Gustavsburg, Hoffmann, dokumentierte die Maßnahmen zur Einarbeitung der ausländischen Arbeitskräfte 1942:

Bild: Russische und ukrainische Frauen und Männer („Ost“-Arbeiter – siehe die Armbinde rechts im Bild) werden im Schweißen angeleitet. (Foto aus: HHStA Wi, 520, R. Reinhardt)

Bild: Der Umgang mit einer Maschine wird eingeübt. Der Dolmetscher der M.A.N., Theodor Reé (mit Hut), hilft mit Übersetzungen der Erklärungen. (Foto aus: HHStA Wi, 520, R. Reinhardt)

Bild: Kurse zur Qualifizierung von ausländischen Arbeitskräften als Schweißer. Eine Teilnahme an Kursen ermöglichte eine höhere Eingruppierung in den Verpflegungsgruppen. (Foto aus: HHStA Wi, 520, R. Reinhardt)

Bild: Fachunterricht (Foto aus: HHStA Wi, 520, R. Reinhardt)

Bild: Deutschkurse für russische Muttersprachler. (HHStA Wi, 520, R. Reinhardt)

Für die deutschen Betriebsangehörigen und ihre Familien ließ Direktor Reinhardt Schutz-Bunker bauen; die Zwangsarbeiter konnten wegen der Anweisungen der NS-Regierung nur in Splittergräben Schutz suchen.

kurzes Video über den M.A.N.-Bunker: https://vimeo.com/386788681

Auf den zahlreichen Baustellen in Deutschland, aber auch in den besetzten west- und osteuropäischen Gebieten, wurden einzelne ausländische Fachkräfte der M.A.N. eingesetzt. Ein Beispiel:

Für die IG Farben lieferte die M.A.N.-Gustavsburg ab 1941 Hallen und Rohrbrücken für den Aufbau des Buna-Werks in Auschwitz-Monowitz. Etwa dreißig eigene Arbeitskräfte wurden hier eingesetzt. (Interne Studie von Dr. Appelbaum als unabhängigem Gutachter im Auftrag des M.A.N. Vorstandes, Histor. Archiv der MAN München, 2000)

Im Januar 1945 kehrten sie, darunter der 34-jährige Radio-Installateur Arin Cornelis Van Driest und der 23-jährige Maschinenschlosser Hendrik Wilhelm Van Dryk, nach Gustavsburg ins M.A.N.-Lager zurück. (Gustavsburger Ausländerkartei 1940-1945) Die geheimen internen Monatsberichte Januar 1945 vermerken: „Die Montage bei dem Werk Auschwitz der I.G.-Farben musste wegen der militärischen Ereignisse abgebrochen werden.“ (Hist. Archiv der MAN, Augsburg)

Bild: Auschwitz-Monowitz, aus dem Dokumentarfilm „Monowitz ein Tatort“ von Alfred Jungraithmayr, 2002, dvd: absolut-medien 2015





Menschen wie wir? Nationalsozialistische Anweisungen für den Ausländereinsatz (Ergänzung)

Deutschland ist schon lange kein demokratischer Rechtsstaat mehr, als die Wehrmacht am 1.9.1939 mit dem Überfall auf Polen den Eroberungskrieg Richtung Osten beginnt.

Im 2. Weltkrieg wird jeder Ausländer als Feind angesehen. Trotzdem entscheidet sich die NS-Regierung, Millionen Ausländer als Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen – oft unter Anwendung von Gewalt und durch Misshandlungen gezwungen. Denn die deutsche Wirtschaft war auf sie angewiesen.

Der NS-Staat setzte unter dem „Führer“ Adolf Hitler die Rahmenbedingungen für den Einsatz von ausländischen Arbeitskräften fest. Die Rassen-Ideologie der Nationalsozialisten missachtet die Würde der Menschen. Je nach Herkunft wird den Menschen ein unterschiedlicher Wert zugemessen. Danach richten sich auch die Anweisungen zur Behandlung der ausländischen Arbeitskräfte: Bezahlung, Unterbringung, Essen, usw.

Der deutschen Bevölkerung wird der Kontakt mit Ausländern verboten. Drastische Strafen sollten die Deutschen abschrecken, sich mit den Franzosen, Belgiern, und Holländern – den sogenannten „Westarbeitern“ –, vor allem aber mit den Russen, Weißrussen und Ukrainern – den sogenannten „Ostarbeitern“ – anzufreunden.

Bild: Geheime Mitteilung der Gestapo Stelle Frankfurt/M, 15.2.1943 – „Betrifft: Behandlung der im Reich eingesetzten ausländischen Arbeitskräfte und Kriegsgefangenen“ – Detaillierte Anweisung der Geheimen Staatspolizei Frankfurt/M zur Behandlung von Ausländern vom 15.2.1943 (Seite 1 von 20, ITS, 1.1.0.6./82335754)

Die vielfache Wiederholung der Anordnungen der Gestapo zeigt aber auch, dass die menschliche Nähe am Arbeitsplatz nicht einfach verboten werden konnte. Für überzeugte Nationalsozialisten und schlechte Charaktere rechtfertigten diese Anweisungen aber ein willkürliches und brutales Vorgehen gegen die ausländischen Arbeiter und Arbeiterinnen.





Das Barackenlager auf dem M.A.N.-Betriebsgelände – ein „Rosengarten“? (Ergänzung)



Foto: Luftbild vom M.A.N. Werksgelände. Rechts unten das Ausländerlager.

Das Leben außerhalb der Werkstätten spielte sich in den Lagern ab. Bevor das Barackenlager auf dem Werksgelände (siehe oben) 1942 fertig gestellt war, wurden die ausländischen Arbeitskräfte in einem kleinen Lager am Friedhof, einem in der Landdammstraße 21, in der Darmstädter Landstraße „bei Sauerbier“ und in der Turnhalle in Gustavsburg, Darmstädter Landstraße 80 (gegenüber der ev. Kirche, heute Kino) und in der Turnhalle in Ginsheim, Freikorps Oberlandstraße 66, untergebracht. Diese kleinen Lager wurden bis zum Kriegsende weiter genutzt, zum Teil für Arbeitskräfte der Reichsbahn.

Das große Lager auf dem Betriebsgelände der M.A.N. – Holzbaracken getrennt für „West“- und „Ostarbeiter“ – waren mit jeweils rund zweitausend Personen belegt. Oftmals blieben die Arbeitskräfte nur für kurze Zeit. Die Fluktuation war vor allem Ende 1944, Anfang 1945 hoch. Vielfach verzeichnet die Gustavsburger Ausländerkartei: „geflüchtet. Unbekannt wohin“. Außerdem gab es manchmal durch Bombenschäden in Mainzer Betrieben oder auch bei Opel Rüsselsheim für die dortigen Arbeitskräfte keine Arbeits- oder Aufenthaltsmöglichkeit mehr; dann wurden die Menschen von der M.A.N. übernommen. Ende September 1944 kamen mehrere Frauen mit Kindern aus Mainz ins M.A.N.-Lager zur Unterbringung in der Säuglings- und Kinderstation.

Das Lager war eingezäunt, aber ohne Stacheldraht. An den Eingängen wurde kontrolliert; im Lager und im Werk waren Wachleute eingesetzt. Außerhalb der Arbeitszeit konnten die „Westarbeiter“ das Werksgelände nach Wunsch verlassen. Die „Ostarbeiter“ durften in kleinen Gruppen mit einem Verantwortlichen aus ihren Reihen nach strenger Kontrolle „ausgehen“.

Das Eintreffen nach der Sperrstunde wurde oft streng bestraft: in einem Zwei-Mann-Bunker ohne Liege- oder Sitzgelegenheit mussten die Bestraften ohne Essen zubringen. Auch bei sogenannter „Arbeitsverweigerung“ oder „Bummelei“ wurden Männer, aber wohl auch Frauen, auf diese Weise bestraft. Weitere „schwere“ Strafen waren Urlaubsentzug, Haare-Abschneiden (bei Frauen), Prügel, Meldung an die Gestapo und Einweisung in das Gestapo-Gefängnis, Mainz, oder in ein Arbeitserziehungslager, z. B. in Frankfurt-Heddernheim. Am bedrohlichsten war das Verschicken nach Hadamar (Krankentötungsanstalt) oder in ein KZ, z. B. Hinzert bei Trier. „Leichte“ Strafen waren Ohrfeigen, Tabakentzug, Streichen von Vergünstigungen wie zusätzliche Lebensmittel.

Die Befehlsstruktur des Lagers war von der NS-Regierung in Berlin vorgegeben: die Deutsche Arbeitsfront (DAF) setzte die Lagerleitung ein; die „Werkscharen“ waren ihr auch als Aufsichtskräfte unterstellt. Die Gestapo hatte Mittelsmänner als Abwehrbeauftragte in allen Industriebetrieben, ein Spitzelsystem des Sicherheitsdienstes (SD) sorgte durch überzeugte Nationalsozialisten in den Werken für eine Kontrolle im Sinne des „Führerstaates“.

In der Realität beruhte vieles auf den Kompetenzen und dem Charakter der Persönlichkeiten. Richard Reinhardt konnte sich kraft seiner Autorität und Durchsetzungsstärke als Betriebsführer und Vorstandsmitglied bei der M.A.N. einen Handlungsspielraum gegenüber den Stellen von Staat und NS-Partei sichern, den er mit Klugheit und Einfallsreichtum, mit fachlichen Fähigkeiten im Brücken- und Maschinenbau und geschicktem Taktieren für den Betrieb und die ihm untergebenen Mitarbeiter – gleich welcher Herkunft oder politischen Überzeugung – nutzte.

Planung und Bau eines weiteren Ausländerlagers an der Ginsheimer Straße kurz vor Ginsheim wurde von der M.A.N.-Gustavsburg schon 1943 begonnen und – ungeachtet beschränkter Kontingente an Arbeitskräften und Baumaterial – bis zum Kriegsende fortgesetzt. Die Fertigstellung erfolgte dann nach dem Krieg, die Einfachstwohnungen dienten zur Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge.

Foto: Das Ausländerlager in Ginsheim war bei Kriegsende noch im Bau. Es wurde später – wie auch das M.A.N.-Lager – für die 1200 zugewiesenen Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten genutzt.



LEBEN als ZWANGSARBEITER (Stele II)




„Ich lebe in der Fremde, wo die Welt einem nicht lieb ist.“
Zum Alltag der Zwangsarbeiter (Ergänzung)


Guy Lucas

Guy Lucas war einer von zwölf französischen Zivilarbeitern aus Bouguenais, die bei der M.A.N. Gustavsburg als Facharbeiter tätig waren. Er war 24 Jahre und gerade Vater geworden, als zur Arbeit nach Deutschland musste. Ab November 1942 lebte er im Ausländerlager der M.A.N. Gustavsburg auf dem Betriebsgelände und arbeitete als Schlosser. Vom 6. bis zum 20. Juli 1943 bekam er Urlaub für eine Familienheimfahrt. Nach dem Krieg stellte er der Gemeindeverwaltung seine Dokumente und Fotos zur Verfügung. Guy Lucas starb 2007. (Bild: Passfoto von Guy Lucas, 1941)






Bilder: Die Karteikarte von Guy Lucas aus der Gustavsburger Ausländerkartei 1940-1945 (Vorder- und Rückseite)


Jan Biesheuvel

Anneke Biesheuvel-Borgli berichtete 2019, was ihr Vater bei einem Besuch bei ihrer Familie in Norwegen erzählte:

„Er wurde in Holland zum Arbeitseinsatz nach Deutschland gezwungen, als er gerade 19 oder 20 Jahre alt war. Mein Vater war noch nie aus seinem Geburtsort herausgekommen, und jetzt sollte er nach Deutschland geschickt werden, ohne zu wissen, wohin und wie lange er wegbleiben würde. Er war der Älteste von 6 Kindern, seine jüngste Schwester, an der er sehr hing, war geistig behindert, er machte sich große Sorgen, was mit seiner Familie im Krieg passieren würde während seiner Abwesenheit. Seine Schwester Cataryna, die heute noch lebt, erzählte mir, dass sie ihren Bruder in der Nacht vor seiner Abreise bei der Mutter weinen hörte.“

Viel hat er mir nicht erzählt. Von Holland wurde er nach Frankfurt-Heddernheim geschickt. Er arbeitete wohl auf einer Brücke. In Gonzenheim bei Bad Homburg wurde er zu einer Firma, die Propeller herstellte, geschickt und wohnte bei einer Familie, die gut zu ihm war. Dann musste er nach Hagen in Westphalen. Dort erlebte er Bombenabwürfe auf den Bahnhof mit vielen Toten, ein Trauma.

Am 28. Juni 1944 kam Johannes Biesheuvel nach Mainz-Gustavsburg, zur M.A.N. Ginsheimer Straße 1 ist die Adresse des Ausländerlagers, des sogenannten „Rosengartenlagers“. Wo mein Vater jetzt eingesetzt war, weiß ich nicht. Aber er erzählte, er ging immer über eine Brücke über den Rhein zu seiner Arbeit.

Einmal ging er wieder über diese Brücke von der Arbeit Richtung M.A.N.-Lager, da kam ein Soldat auf der Brücke und rief: ‚Lauf, lauf, lauf!“ und mein Vater lief und lief Richtung Darmstadt. Bei einem Bauern wurde er aufgenommen. Ludwig hieß er, der Nachname war Mieter oder so ähnlich. Er hatte zwei junge Töchter. Auf dem Hof waren auch noch zwei Pferde, mit denen konnte mein Vater gut umgehen. Der Bauer war froh, dass er Hilfe hatte, mein Vater war ja Landarbeiter. Johannes Biesheuvel blieb hier, bis der Krieg zu Ende war und er von dort wieder nach Holland zurückkonnte. Die Bevölkerung zu Hause war sehr ausgehungert; meine Mutter wäre fast gestorben. Deshalb durfte er zunächst nur in den Süden und erst später wirklich zu seiner Familie zurückkehren. Mit einem sehr schweren Koffer aus Holz kam er eines Tages wieder heim.“

Foto: Glücklich, wieder zu Hause zu sein: März 1946 mit der Mutter

„Aber er war schwer traumatisiert. Die Holländer empfingen ihn auch nicht mit offenen Armen, keiner wollte wissen, was ihm widerfahren war. Das Land musste aufgebaut werden, jeder packte an und kümmerte sich nicht um die schlimme Vergangenheit. Wie so viele andere hat mein Vater sehr wenig über seine Zeit in Deutschland erzählt. Aber eines Tages, vor ungefähr 20 Jahren, als er bei mir in Norwegen auf Besuch war, fing er an zu erzählen. Ich war total überrascht und war nur imstande, einige Schlüsselworte aufzuschreiben.

Mein Vater gab mir eine wichtige Botschaft aus seinen Erlebnissen mit: "Es gibt nicht nur schwarz und weiß: in jedem Land gibt es auch gute Menschen, das soll man nicht vergessen.“



„2.114 beschäftigte zivile Ausländer aus 10 Nationen, davon 721 Ostarbeiter, davon 714 im Werk, 7 auf Baustellen“ (Interne Monatsberichte der M.A.N. Gustavsburg März 1945)

Die Suche nach Zeitzeugen unter denjenigen, die nach Kriegsende „hinter den Eisernen Vorhang“, d.h. in das Einflussgebiet der Sowjetunion nach Hause zurückkamen, erwies sich als sehr schwierig. In den 1980-Jahren gab es noch keine Archive und Organisationen dort, die Auskunft und Kontakte ermöglichten. In Deutschland waren der Suchdienst in Arolsen und die Zentralstelle in Ludwigsburg nur für Angehörige auskunftsbereit.

Die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg erhielt zwar eine ganze Reihe von Zuschriften von Menschen aus den osteuropäischen Ländern, die für ihre Rentenanträge eine Bestätigung ihrer Zwangsarbeit in Deutschland benötigten; jedoch dachte niemand daran, hier nach Erlebnissen und Erfahrungen zu fragen und die Erlaubnis einzuholen, sie als Zeitzeugen zu befragen. Fast wären die hölzernen Kästen der Ausländerkartei Gustavsburg 1940-1945 mit der Umstellung auf EDV in der Gemeindeverwaltung wohl auch entsorgt worden – aber zum Glück konnten sie aus dem feuchten, staubigen Kellerraum in das Kulturamt in der Villa Herrmann umziehen und gesichert werden. Die systematische Auswertung steht noch aus.

Mit der Gründung von Memorial International in Moskau gab es seit Glasnost und Perestroika in Russland dann auch einen Partner für Forscher, die Kontakte suchten. Die in Deutschland endlich auf den Weg gebrachte Entschädigung der Zwangsarbeiter half dabei.

Doch für die M.A.N.-Gustavsburg sind wir immer noch auf der Suche. Vielleicht finden wir über die erst kürzlich gefundenen Namen und Adressen in der Ukraine, in Russland und in Weißrussland doch noch Familienangehörige der Männer, Frauen und Kinder, die 1942-1945 in Gustavsburg im Ausländerlager auf dem M.A.N.-Gelände lebten, am 19.3.1945 in einem Fußmarsch über Groß-Gerau und Darmstadt nach Griesheim geführt und in der dortigen Wagenhalle der Straßenbahn am 21.3.1945 von dem stellvertretenden Lagerleiter Adam Regner, den Wachleuten und Ortspolizisten unter Polizeioberstleutnant Jost zurückgelassen wurden.

Es bleiben die Namen von über 800 Menschen, derer wir gedenken.







„Den Hunger vergisst man, aber nicht die Erniedrigungen und die Angst.“ (Ergänzung)


Misshandlung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen in Gustavsburg

Die Vorwürfe gegen die Betriebsleitung der M.A.N. und die Leitung des Ausländerlagers wurden einige Monate nach Kriegsende laut. Dem neu gewählten Betriebsrat der M.A.N. war es zu verdanken, dass es zu formalen Anklagen und Spruchkammerverfahren kam. Aber der verantwortliche Lagerleiter wurde nicht in die Verfahren einbezogen, da er in einem US-Lager einsaß. Auch sonst gibt es viele Ungereimtheiten in den Vorbereitungen und dem Verfahren, der Weitergabe von Akten und Dokumenten und der Bestellung von Zeugen.

Eine tragfähige Gesamtbewertung der handelnden Personen vor dem Hintergrund des Übergangs der NS-Diktatur in die von den US-Amerikaners besetzte Zone und damit der Abtrennung von Mainz steht noch aus.

Einzelne konkrete Beispiele aus den Dokumenten und Protokollen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden verdeutlichen aber die insgesamt bedrückende Lage der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen:

„Alle Russen waren froh, dass Herr Regner da war, denn Herr Paape war nicht so gut wie er. Er war unser Lagerführer und hat den Männern und Frauen die Haare abschneiden lassen, weil sie viel gestohlen haben, Kartoffeln, und in der Fabrik. Überhaupt war Regner sehr gut zu uns Russen. Wer etwas wollte ging zu ihm; wenn möglich, erfüllte Regner die Wünsche. Manchmal musste er schimpfen, weil die Leute nicht alles gemacht haben, wie er wollte. Aber geschlagen hat er niemand, ich habe es nicht gesehen, obwohl wir auch schlechte Leute im Lager hatten. An Weihnachten hat er geschmückt für uns.“ (Basansky, Iwan, der mit seiner Frau und seinen Kindern im M.A.N. Lager, nach dem Krieg bis 1949 im UNNRA-Lager in Mainz-Kastel lebte, Aussage am 22.7.1947 vor der Spruchkammer Groß-Gerau, HHStA Wi., Abt.520 GG, R4724, K.64)

„Als besonders blutrünstig hat sich Gutgesell den Ausländern gegenüber benommen. Er hat öfter zu den Wachmannschaften gesagt, ‚Schießt doch auf die Ausländer! Es passiert euch nichts.‘ Ich selbst habe den Ausländern öfters Essen zugesteckt, obwohl dies streng verboten war. Seitens von Gutgesell wurde der Wachmannschaft öfters mit der Gestapo gedroht. Lehrbach, Steininger, Gutgesell, Regner und Paape waren als fanatische Nazis bekannt und in ihren Maßnahmen gegenüber Andersdenkenden rücksichtslos. Das Verhältnis zwischen den Wachmännern und der Lagerleitung war immer ein gespanntes.“ (Heinrich Wagner, am 5.10.1947 vor der Spruchkammer Groß-Gerau, HHStA Wi., Abt.520 Groß-Gerau, R4724, K.64)

Aus dem Protokoll der Verhandlung zum Verfahren des Betriebsleiters der M.A.N. Gustavsburg, Richard Reinhardt, vor der Spruchkammer Groß-Gerau, 6.6.1947. Zu Vorwürfen, im Ausländerlager sei es zu Misshandlungen gekommen, wird der Wachmann N.N. vom Spruchkammervorsitzenden als Zeuge befragt:

Vorsitzender: Sind im Lager Misshandlungen vorgekommen? […]
Zeuge: Ich habe schon von Kameraden darüber gehört, aber selbst gesehen habe ich es nicht.
Vorsitzender: Wen halten Sie dafür verantwortlich?
Zeuge: Ich denke, die Lagerführung. […]
Vorsitzender: Wie beurteilen Sie Herrn Reinhardt?
Zeuge: Ich halte ihn für einen sehr korrekten Vorgesetzten, der sehr gerecht ist.
Vorsitzender: Glauben Sie, dass Herr Reinhardt mit evtl. Misshandlungen einverstanden war?
Zeuge: Das glaube ich nicht. Es war uns bekannt, dass es streng verboten ist, einen Ausländer zu treten oder zu misshandeln.
Vorsitzender: Ist das Ihnen öfter gesagt worden?
Zeuge: Öfter nicht, aber wir haben das unterschreiben müssen. […]
Ankläger: Wie erklären Sie es sich, dass dennoch Misshandlungen vorgekommen sind?
Zeuge: Das war wohl Sache der Einzelnen. Wo 1000 Menschen zusammen sind, kommt doch schließlich mal was vor. […]“

(Aus dem Historischen MAN-Archiv, Augsburg, 1.2. Dir.R. Reinhardt)

Neben der Wachstube stand ein 2-Personen-Bunker zum Schutz bei Fliegerangriffen für das Wachpersonal. Dieser 1m x 2m große Raum, in dem man auch einzeln nur stehen konnte, wurde als Strafzelle benutzt, wo mehrere Menschen die ganze Nacht über eingesperrt waren, auch Frauen.

Der Wachmann Peter Wanner sagte 1947 aus: „Die Ostarbeiterinnen waren mitunter ohne Fußbekleidung und Liegestatt und im Winter der grimmigen Kälte ausgesetzt.“ (HHStA Wi, 520, GG A.Regner,)

Bild: Im Bild rechts hinter den russischen Frauen der Schutzbunker für die Wachleute, der zur Bestrafung eingesetzt wurde.

Meister Ewald hatte im Zweigwerk Weisenau einige russische Frauen als Arbeitskräfte. Als eine von ihnen wegen Fliegeralarm zu spät im Lager ankam, musste sie die Nacht im Strafbunker bleiben. Außerdem wurde das Lagerpersonal zudringlich. Als Meister Ewald dies hörte, sorgte er für Abhilfe. Die Frauen durften sich eine Wohn- und Schlaf-Baracke auf dem Baustellen-Gelände in Weisenau einrichten und mussten nicht mehr den langen Fußmarsch zum Gustavsburger Ausländerlager zurücklegen. (Interview 1986)

Ein Wachmann, Peter Wann aus Kostheim, sagte als Zeuge im Verfahren gegen den stellvertretenden Leiter des Ausländerlagers, Adam Regner, am 30.1.1947 aus:

Ich bin seit 1939 bei der Firma M.A.N. Werk Gustavsburg als Brenner und seit 1944 als Wachmann beschäftigt. Neben unserer Wachstube befand sich ein Bunker, der dazu diente, zwangsverschleppte Ostarbeiter, die sich irgendetwas zu Schulden hatten kommen lassen, mit einer Strafe zu belegen und die diese dort verbüßen mussten. Dieser Bunker hatte ein Ausmaß von 1 auf 2 Meter. Soweit mir bekannt ist, waren in diesem Bunker ab und zu zwei bis drei Mann zur Strafverbüßung untergebracht. Zum größten Teil wurden diese Häftlinge durch Paape und Regner dort eingeliefert. […] Die Ostarbeiter waren mitunter ohne Fußbekleidung und Liegestatt und im Winter der grimmigen Kälte ausgesetzt. Regner hat mehrfach angeordnet, dass den Häftlingen teilweise das Essen gesperrt wurde. Über die unmenschliche Behandlung wurde der Lagerleitung mehrfach Vorhaltung gemacht, diese Zustände zu beseitigen, jedoch ohne Erfolg. […] Dass Paape und Regner die Ostarbeiter öfter geohrfeigt und misshandelt haben, habe ich mehrmals wahrgenommen. Gutgesell, Steininger und Regner waren im Werk gute Nazis und als Mittelsmänner zwischen dem Werk und der Gestapo Mainz bekannt. Haenlein hat uns mehrfach aufgefordert, den Ostarbeitern bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Kreuz zu treten; dies wurde jedoch von uns nicht ausgeführt.“ (HHStA Wi, 520 GG AZ Regner.Adam 010)

Der Wachmann Martin Quetsch aus Laubenheim macht u. a. in demselben Verfahren folgende Angaben:

„Ich bin seit 1935 bei der Firma M.A.N. und seit 1942 als Wachmann beschäftigt. […] Die Lagerführung [zunächst Lehrbach und Regner, später Paape und Regner] ordnete in den meisten Fällen Essens- und Rauchwarenentzug an. Regner, Paape und Steininger waren reine Kettenraucher und es ist anzunehmen, dass sie die den Ausländern entzogenen Rauchwaren für sich oder auf eine andere Art verbraucht haben. Ich habe mehrfach wahrgenommen, dass Lehrbach die Baderäume der Ausländerinnen betreten hat, obwohl dies für Männer streng verboten war. Lehrbach war im Besitz einer Hundepeitsche und er hat bei Einlieferung eines Russen diesen mit der Hundepeitsche durch einen anderen Russen auspeitschen lassen (10 bis 20 Schläge auf das blanke Gesäß). […] Regner hat einer Russin für einen angeblichen Diebstahl die Haare abschneiden lassen.“ (HHStA Wi, 520 GG AZ Regner.Adam 014)

Der Zeuge Grimmel machte folgende Aussage:

„Er sei Wachmann im MAN-Lager gewesen und er habe auch Wahrnehmungen gemacht, dass Ausländer misshandelt wurden.

Ein Russe, der vom Ausgang zurückkam und ein Paar alte Lederschuhe anhatte, sei zum Lagerführer Regner bestellt worden, nachdem dieser davon Kenntnis erhalten hatte, da das Tragen von Lederschuhen für Ostarbeiter verboten gewesen sei. Regner habe den Russen gefragt, von wem er die Schuhe erhalten hat und als sich der Russe weigerte, darüber Auskunft zu geben, habe ihn Regner einsperren lassen. Unter den Wachleuten, die die Arrestzellen bewachten, habe es geheißen, dass der Russe nichts zu Essen und zu Trinken bekommen hatte, sei er (der Zeuge) als er gerade Wache hatte, selbst zu Regner gegangen und habe diesem gesagt, das ginge doch nicht, der Mann müsse doch etwas zu Essen bekommen. Regner habe ihm erwidert: ‚Der kriegt nicht eher was zu fressen, bis er sagt, von wem er die Schuhe hat, und wenn er verrecken tut.‘

Der Russe habe auch tatsächlich etwa 8 Tage lang nicht zu Essen, auch nichts zu Trinken bekommen. Er habe auch keine Decken mit in die Zelle nehmen dürfen, trotzdem es kalt war. Er selbst habe das nicht mehr mit ansehen können und habe, da sie die Schlüssel der Franzosenküche während der Nacht auf der Wache hatten, dem Russen etwas aus der Küche geholt und ihm zugesteckt, ohne Mitwissen des Lagerführers. So habe er dem Russen einige Male etwas zu Essen gebracht, auch habe er ihn nachts manchmal aus der Zelle herausgelassen, damit er sich am Ofen etwas wärmen konnte. […] er habe außerdem noch einen Wachmann Köppler aus Mombach als Zeugen für seine Angaben.“ (hhstaw 520 GG AZ Regner.Adam 0145)






„Es gibt überall gute und schlechte Menschen.“ (Ergänzung)


Lydia Tollubko und ihr Ehemann Wladimir Tollubko kamen von Simferopol nach Gustavsburg. Als Bautechniker arbeitete er von Mai 1942 bis zum 19. März 1945 bei der M.A.N.

Iwan Basansky, russischer Staatsbürger, wohnte mit seiner Frau und zwei Kindern im Lager der M.A.N. arbeitete dort. Sie blieben nach dem Krieg als Staatenlose bis 1949 im UNNRA-Lager in Mainz-Kastel:

„Mein Arbeitsplatz war gut und ich habe ganz schön Geld verdient.“, sagte er im Juli 1947 vor der Spruchkammer Groß-Gerau aus. Auch seine Frau habe in der Fabrik gearbeitet, aber „als sie dort nicht mehr konnte“, wurde sie in der Lagerküche beschäftigt. Der stellvertretende Lagerleiter, Adam Regener, sei sehr gut zu den Russen gewesen, besonders zu seiner Familie. Er habe ihnen Kleider geschenkt. Manchmal musste er schimpfen, weil die Leute nicht alles gemacht haben, wie er wollte. Herr Paape war nicht so gut wie er. Er war unser Lagerführer und hat den Männern und Frauen die Haare abschneiden lassen, weil sie viel gestohlen haben, Kartoffeln und in der Fabrik.“ (HHStA Wi, 520 GG A.Regner)

Aus: Historisches Archiv Augsburg, Spruchkammerverfahren R. Reinhardt am 29.5. 1947, IMG_1735

Aussage von der Schneiderin Nadja Alferowa, *1.9.1907 auf der Krim, seit 1932 verheiratet mit dem Elektroschlosser Iwan Alferow, beide im M.A.N.-Lager (von Alzey kommend) vom 26.9.1942 bis 19.3.1945. Sie gehen mit Richtung Groß-Gerau, kehren aufgrund des Briefes des M.A.N. Direktors, der sie über einen Fahrradboten zur Rückkehr auffordert, wieder um und bleiben in Gustavsburg, bzw. Im UNNRA-Lager Mainz-Kastel. Deshalb konnte sie in Richard Reinhardts Spruchkammerverfahren 1947 aussagen:

„Es haben auch Männer in Weisenau geschafft. Sie haben bei Tag geschafft, und abends sind sie ins Lager heimgekommen. In der Zeit, als Bischofsheim ausgebombt wurde, mussten sie bei Tag in Weisenau schaffen und abends am Bombenloch.

Hier standen einmal drei Männer zusammen, weil sie müde waren. Da ist Herr Reinhardt gekommen und hat gefragt: ‚Warum Was steht ihr da?‘ Sie sagten: Wir sind müde, wir müssen am Tag arbeiten und in der Nacht.‘ Da hat der Direktor gefragt: ‚Warum habt ihr das nicht gesagt, wer hat Euch das geheißen?‘ – ‚Der Lagerführer.‘ Er hat daraufhin gleich gesagt: ‚Gleich heim und schlafen, und wenn ihr ausgeschlafen habt, dann kommt ihr wieder und schafft.‘ Der Direktor hat das ins Lager telefoniert.

Als sie ins Lager kamen, stand Paape schon vor dem Tor. Er hat sie gleich ins Badezimmer gerufen und Herr Lobatscheff, der Dolmetscher, war auch reingegangen. (Ich habe alles gehört, was im Badezimmer geschah, da mein Zimmer – die Schneiderstube – nebendran lag.)

Paape fragte, warum sie sich beim Direktor beschwert haben, weil sie die ganze Nacht nicht geschlafen hätten. Sie haben gesagt: ‚Wir haben uns nicht beschwert, wir haben gestanden, weil wir müde waren, da ist der Direktor gekommen und hat gefragt, warum so traurig.‘

Die drei Männer haben dann 25 Hiebe bekommen. – Nachher wurde ihnen noch gesagt: ‚Wenn der Direktor das nächste Mal wieder fragt, dann müsst ihr sagen, ihr habt geschlafen!‘“






Im Lager geboren: Zwangsarbeiterkinder in Gustavsburg (Ergänzung)

 



Die M.A.N. Gustavsburg wollte schon im Ersten Weltkrieg vermeiden, Frauen einzustellen, um so die Lücken durch die als Soldaten eingezogenen Arbeiter zu schließen. (
Siehe: Christine Hartwig-Thürmer, Frauen in der Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg. Eine quellenkritische Betrachtung eines Textes aus dem M.A.N. Werk Gustavsburg aus dem Jahr 1940, in: Mainzer Geschichtsblätter, Heft 14, Mainz und der Erste Weltkrieg, Mainz 2008, S. 140-146)

Der Einsatz von Frauen aus Russland, der Ukraine, Polen und anderen Ländern der Sowjetunion wurde aber unumgänglich. So wurden die jungen Frauen nach ihrer Ankunft für vier Wochen in den Ausbildungsräumen des Gerberhauses angelernt und auch zum Bohren und Schweißen eingesetzt. Auch wenn Berichte von Zeitzeuginnen fehlen, zeigten die Aussagen von M.A.N.-Mitarbeitern in den Interviews, dass die Frauen persönlich geachtet und in ihrer Arbeitsleistung wertgeschätzt wurden.

Auch von wirklichen Liebesbeziehungen wurde berichtet, wie etwa eine Beziehung zwischen einem Meister und einer Russin, die beide gefährdete.

Unter den etwa sechzig Müttern, die zwischen 1943 und 1945 im Ausländerlager mit ihren Kindern lebten, waren zehn ledige Frauen. Der Gustavsburger Arzt, Dr. Polatzek, behandelte die Kranken im Lager und wurde von Dr. Gollas aus Alzey, Sanitätern, wie Bruno Pfeiffer, und Heilgehilfen aus den einzelnen Nationen unterstützt.

In der Realität des dauernden Arbeitskräftemangels im kriegführenden Deutschen Reich versuchten die Firmen, Maßnahmen in ihren Ausländerlagern zu ergreifen, die den Arbeitsausfall von Schwangeren und Müttern möglichst gering hielten.

Am 19. März 1945 gingen mindestens zwanzig kleine Kinder mit ihren Müttern und teilweise auch mit den Vätern auf den Fußmarsch nach Groß-Gerau, heraus aus der noch gefährlich umkämpften Mainspitze. Sechs Mütter hatten ihr Baby auf dem Gustavsburger Friedhof zurücklassen müssen: sie waren nicht einmal ein Jahr alt geworden. Todesursache: Ernährungsstörung.



LEIDEN im „TOTALEN KRIEG“ (Stele III)




Luftkrieg über der Mainspitze – kaum Schutz für Zwangsarbeiter (Ergänzung)



Bilder: Zerstörungen nach Bombenangriffen 1944, M.A.N.-Archiv Gustavsburg

Über den Luftangriff auf das Rhein-Main-Gebiet in der Nacht vom 8. auf den 9. September 1942 berichtete der Kommandant der M.A.N.-Werksfeuerwehr, Philipp Barth:

Am Dienstag, den 8.9.1942 um 23.50 Uhr erfolgte Fliegeralarm. Rund um Mainz sowie über der M.A.N. in Richtung Ginsheim, Hochheim und Rüsselsheim warfen die Feindflieger eine Menge von Leuchtbomben, Brandbomben und zwei Luftminen. Um 0.36 Uhr wurde gemeldet, dass das Russenlager am Schießstand durch Brandbomben getroffen ist und brennt. Zu gleicher Zeit werden Bombeneinschläge hinter den Kohlenwerken gemeldet. Das Betriebsgebäude erzitterte unter den Detonationen und fast alle Fensterscheiben fielen klirrend heraus. (…) Bei den russischen Lagerinsassen, hauptsächlich Frauen, war eine Panik ausgebrochen, als eine Brandbombe auf das Dach des Lagers niederging und unmittelbar darauf die Sprengbomben hinter dem Kohlenlager explodierten. Mit allem, was sie einigermaßen tragen konnten, rannten die Insassen, den Zaun durchbrechend, in den Schießstand. (…) Gleich darauf schwere Bombeneinschläge in Richtung neues Ausländerlager [am Rosengarten]. (…) 0.50 Uhr: die auf das Dach des Russenlagers nieder gegangene Brandbombe war von der Lagerwache vom Dach gezogen und gelöscht worden.“ (Heinz Leiwig/Dieter H. Neliba, Die Mainspitze im Fadenkreuz der Royal Air Force und der 8. USAAF. Bischofsheim 1939-1945, Ginsheim-Gustavsburg 1985, S.73ff)

 Bild aus M.A.N.-Archiv Gustavsburg



Direktor Reinhardt dokumentiert in seinen internen Monatsberichten akribisch die Schäden, die der Krieg anrichtete: die Zahl der Gefallenen, der als Soldaten einberufenen Mitarbeiter, die wegen Bombenalarms ausgefallenen Arbeitsstunden, die Zerstörungen der Wohnhäuser in Gustavsburg sowie der M.A.N.-Werksanlagen und der Infrastruktur (Gas, Wasser). All das macht das schlimme Schicksal für die Menschen in Ginsheim-Gustavsburg deutlich – für Deutsche wie für Ausländer.



Bilder aus dem Historischen Archiv der MAN, Augsburg, Dir.R. Reinhardt






Für den „totalen Krieg“ – das M.A.N.-Zweigwerk Weisenau (Ergänzung)


Bild am 7.12.1944

Vergessen war die unterirdische Produktionsstätte der M.A.N. Gustavsburg in den Kalkstein-Stollen in Weisenau auf der linken Rheinseite bald nach dem Zweiten Weltkrieg. Gustavsburg gehörte nicht mehr zu Mainz; der Rhein war die Grenze zwischen der französischen und US-amerikanischen Besatzungszone – dann zwischen den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen.

Das Gelände ist heute Naturschutzgebiet. Die Stollen wurden 2019/2020 mit Beton verfüllt. Eine Informationstafel über den Einsatz der dreihundert französischen, flämischen und russischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen fehlt.


Bild: 19.8.1944. Aus dem Fotoalbum des M.A.N.-Archivs Gustavsburg 1986


Luftbild von Mainz-Weisenau, oben rechts der Kalksteinbruch, den die M.A.N. Gustavsburg ab Juni 1944 zur unterirdischen Produktionsstätte (Teile für die V1 und V2) ausbauen ließ und dann zur sicheren Unterbringung von Maschinen nutze. So konnte der Aufbau der von den Nazis zerstörten Brücken schon im April 1945 beginnen. Links oben die Rhein-Insel Bleiaue, wo die M.A.N. ein Hofgut betrieb.

(Stadt Mainz, c/o University of Keele, Großbritannien 1990, übermittelt von Malin Pfänder, 2020)






Das Ende: 19. März 1945 (Ergänzung)

Zu Fuß von Gustavsburg nach Darmstadt-Griesheim: Zweitausend Zwangsarbeiter am 22.3.1945 fast spurlos „verschwunden“

Späte Spurensuche für die Gedenkstätte in Ginsheim-Gustavsburg
von Christine Hartwig-Thürmer

Der interne Monatsbericht der M.A.N. Gustavsburg vermerkt für den 17.3.1945 den „Bestand an Arbeitskräften“: 5.686. Während der damals zu Mainz gehörige rechtsrheinische Vorort nur rund 2500 Einwohner zählte, beschäftigte der Industriebetrieb mehr als doppelt so viele Menschen, darunter „2114 zivile Ausländer aus 10 Nationen, davon 714 Ostarbeiter im Werk, 7 auf Baustellen.“

Bild: Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen aus Ländern der Sowjetunion bei der M.A.N. Gustavsburg werden zum Schweißen angelernt (1943) (HHStAW, 520 GG, Reinhardt 3)

Am 25. März 1945 setzten US-amerikanische Truppen von Mainz-Kostheim aus über den Main nach Gustavsburg und übernahmen die Kontrolle über das Werk und die Verwaltung des Ortes. Der Betriebsleiter, Direktor Richard Reinhardt, hatte sich noch eine Woche zuvor dem Befehl zur Zerstörung der Produktionseinrichtungen widersetzt. Auch die 200 Lehrlinge, die noch zum Volkssturm eingezogen und an die Front geschickt werden sollten, hatte Reinhardt nicht freigegeben. Er blieb im Werk und übergab es unzerstört der Besatzungsmacht. Vom 1. bis zum 19. April 1945 wurde das Gustavsburger M.A.N.-Werk von 1200 Pionieren des US-Regiments 333 besetzt; das Zweigwerk Weisenau erhielt schon am 29. März eine uneingeschränkte Betriebserlaubnis. So konnte nach kurzer Zeit – schon vor der bedingungslosen Kapitulation des NS-Staates am 8./9.5.1945 - der Wiederaufbau der Brücken über den Rhein und den Main beginnen, die die Deutsche Wehrmacht auf ihrem Rückzug noch gesprengt hatte.

1704 wieder eingestellte Arbeiter, Angestellte und Montagearbeiter nennt der erste interne Monatsbericht nach dem Kriegsende für das M.A.N.-Werk Gustavsburg. Doch die ausländischen Arbeitskräfte werden mit keinem Wort erwähnt.

Wo sind die 2835 Menschen geblieben, die als Zwangsarbeiter bei der M.A.N. bis zum Kriegsende in Gustavsburg eingesetzt waren und hier lebten?

In seinem Verfahren vor der Spruchkammer Groß-Gerau berichtete Adam Regner, der stellvertretende Leiter des M.A.N.-Ausländerlagers: „Am 18.3.1945, morgens um 11 Uhr, kam plötzlich Herr P.[Wilhelm Paape, Leiter des Ausländerlagers] zu mir auf das Lagerbüro und erklärte, dass der Abtransport der Ausländer am 19.3.1945 um 7.00 Uhr zu erfolgen hat. […] In aller Eile mussten nachts die Sachen gepackt werden. […] Am Morgen des 19.3.45, pünktlich um 7.00 Uhr früh, nachdem alles reisefertig vor den Baracken stand, erschien der Polizeioberleutnant Jost mit 20 Wachtmeistern der Schutzpolizei Mainz. Herr Gutgesell als Leiter des Werkschutzes musste ebenfalls 20 Mann, bewaffnet mit Karabinern, zum Abtransport der Ausländer bereitstellen. Als Transportleiter war ich persönlich bis zu der Ablieferung an den angegebenen Stellen verantwortlich.“

Gegen 9 Uhr hatten alle 2000 Ausländer das Lager in Richtung Groß-Gerau zu Fuß verlassen. Niemand wusste genau, was mit den Männern, Frauen und Kindern passieren würde. Der erste Marschtag ging bis nach Groß-Gerau. Die als Unterkunft zugewiesene Zuckerfabrik bot nur Stein- und Bretterboden, keine Ausstattung und Verpflegung. Nur die Frauen und Kinder konnten „in der Restauration des Gefolgschaftshauses“ unterkommen. Am nächsten Tag, dem 20.3.1945, ging der Marsch ohne Frühstück um 7 Uhr weiter nach Darmstadt. Adam Regner konnte als verantwortlicher Transportleiter für die Kranken und die Kinder einen Wagen zum Transport nach Darmstadt organisieren. Er berichtet weiter: „Auf dem Marsch von Groß-Gerau nach Darmstadt waren die Marschierenden immer wieder Tieffliegerangriffen ausgesetzt. […]

Nachmittags um 16 Uhr ist die Spitze an der Autobahn von Darmstadt eingetroffen. Die Westarbeiter wurden links, die Ostarbeiter rechts in dem dort befindlichen Wald abgestellt. Eine Stunde später wurde uns mitgeteilt, dass ein Verpflegungszug der NSV [Nationalsozialistische Volkswohlfahrt] eintreffen würde. Dies war der Fall. Jeder Ausländer erhielt einen Liter dünne Haferflockensuppe und sonst nichts.“

Bild von http://motorbloeckchen.com/?page_id=19785, Download am 08.12.2019, 15.27 Uhr

Die Nacht mussten die Menschen dort im Wald an der Autobahn im Freien zubringen. Am nächsten Tag wurden „die Westarbeiter in dem Woolworth-Gebäude in Darmstadt abgeliefert. Von diesem Moment an hatte ich mit diesen nichts mehr zu tun.

Adam Regner und Polizeioberleutnant Jost brachten die andere Gruppe, die ca. 900 „Ostarbeiter“, nach Darmstadt-Griesheim in die dortige Wagenhalle der Straßenbahn, auch heute noch direkt gegenüber der Ortverwaltung. Obwohl die ausgeräumte, leere Halle keine Unterkunft oder Verpflegungsmöglichkeiten bot, wurden die Männer, Frauen und Kinder dort zurückgelassen.

Bild: Frühere Wagenhalle der Straßenbahn in Darmstadt-Griesheim, im Dezember 2019, Foto: C.H-Th

Einzelne ausländische Beschäftigte der M.A.N. kehrten wieder nach Gustavsburg zurück und wollten hier weiterarbeiten. Sie wurden von den US-Besatzungsbehörden in Mainz-Kastel im UNNRA-Lager untergebracht und bei den Spruchkammerverfahren als Zeugen gehört. Doch insgesamt ist das Schicksal der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen der M.A.N. Gustavsburg unbekannt. Fast alle Nachforschungen und Nachfragen seit 1985 blieben ergebnislos oder unbeantwortet.

Aber vielleicht gibt es in Darmstadt, Griesheim oder Groß-Gerau doch noch Hinweise auf diejenigen Zwangsarbeiter der M.A.N., die zwischen dem 19. und dem 22. März 1945 zu Fuß von Gustavsburg aus unterwegs waren und im Woolworth-Gebäude oder in der Wagenhalle der Straßenbahn ins Ungewisse verlassen wurden?

75 Jahre danach erinnert nun in Ginsheim-Gustavsburg eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, um an das Lebensschicksal der Menschen zu erinnern.






Kriegsende: Vergessen und Verdrängen (Ergänzung)


Bild: 11.8.1956 Besuch von Jan Boer in Gustavsburg

Aus Frankreich und Holland gibt es einzelne Zeitzeugen.



Claus Daschmann, ehemaliger Kulturamtsleiter der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg und lange Zeit Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, erinnerte sich noch an die Zwangsarbeiter, die in die Bäckerei Gehmäcker kamen, wo seine Mutter – unerlaubter Weise – auch Weißbrot an „Ostarbeiter“ abgegeben hat. Als kleiner Junge durfte er mit ihr und einigen wenigen Gustavsburgern am Friedensfest der Zwangsarbeiter teilnehmen. Aufgeschrieben hat er seine Erinnerungen leider nicht.

Nild: Frau Daschmann, 2. von rechts

Pierre Cordier, ehemals Zwangsarbeiter bei der Schiffswerft, kam in den 70er Jahren nach Gustavsburg zu Besuch. Seine Erinnerungen hat Dr. Hedwig Brüchert übersetzt und 2005 als Sonderheft der Mainzer Geschichtsblätter im Verein für Sozialgeschichte Mainz herausgegeben.

Ein Kontakt zu Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion gelang leider noch nicht.

Deren Schicksal war meist noch schwerer. Aus den Akten und Dokumenten erfahren wir von dem Leiden der sogenannten „Osterabeiterinnen“ und „Ostarbeiter“. Ein Beispiel:

Nelly Jarosch kam am 1. März 1944 im M.A.N.-Lager zur Welt. Bevor sie mit ihrer Mutter nach Russland zurückkehren konnte, starb sie schon am 23. Oktober 1944 um 20.45 Uhr. „Ernährungsstörung, Kreislaufschwäche“ sind als Todesursache in der Sterbeurkunde angegeben. Sie wurde – wie auch weitere fünf Babies von russischen Zwangsarbeiterinnen – auf dem Gustavsburger Gemeindefriedhof beerdigt. (Feld 5, Reihe 1, Grab Nr. 2)


Heute erinnert nichts an die toten Zwangsarbeiterkinder und Erwachsene, die in Gustavsburg bestattet wurden.

Der Platz auf dem die Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen 1940-1945 in Ginsheim-Gustavsburg steht, könnte – stellvertretend für alle Zwangsarbeiterkinder – Nelly-Jarosch-Platz heißen.


Verzeichnis der Abkürzungen

  • DAF: Deutsche Arbeitsfront; nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände setzte die NS-Regierung die DAF an ihre Stelle; mit 25 Millionen Mitgliedern größte Massenorganisation zur Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung bei der Arbeit und durch die angegliederte KdF („Kraft durch Freude“) in der Freizeit
  • Flak: Flugabwehrkanonen
  • G.H.H.: Gute Hoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetriebe, gegr. 1873, unter Paul Reusch in den 20er Jahren zum Großkonzern ausgebaut, u.a. durch Eingliederung der M.A.N.
  • Gestapo: Geheime Staatspolizei, am 26.4.1933 aus der Preußischen Politischen Polizei hervorgegangene Überwachungs- und Spitzel-Organisation des NS-Staates zur Bekämpfung aller „staatsgefährlichen Bestrebungen“.
  • HHStA Wi: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
  • Hist. Archiv MAN: Historisches Archiv der MAN Augsburg; nach Auflösung der Firmenarchive in Gustavsburg, Sterkrade und Nürnberg das Zentralarchiv der MAN; in München werden die Archivalien von MAN-Roland aufbewahrt
  • HStA Da: Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt
  • IG Farben: Interessengemeinschaft Farben, als Zusammenschluss von acht deutschen Chemieunternehmen (u.a. Bayer, Höchst, BASF) das welt-größte Chemieunternehmen
  • M.A.N.: Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg – bis zum Konzern-Umbau 2008 „Pünktchen-MAN“, danach MAN
  • M.A.N.-Archiv Gu: Archiv der M.A.N. Gustavsburg; nach 1989 aufgelöst, Verbleib unklar.
  • MAN: nach dem Konzern-Umbau 2008 eingeführte Abkürzung
  • NS: Nationalsozialismus
  • NSDAP: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
  • SS: Schutzstaffel, Adolf Hitlers 1921 gegründete, persönliche Stabswache, 1923 erweitert zum „Stoßtrupp“ Hitlers, 1925 als Hitlers Leibgarde Bestandteil der paramilitärischen SA (Sturmabteilung). Als Heinrich Himmler 1927 stellvertretender Reichsführer SS wurde, umfasste die SS nur einige hundert Mann. Hitler erklärte sie am 20.7.1934 zur selbständigen Organisation und setzte sie als Elitegarde des Regimes zu Terror und Massenmord ein.
  • TBC: Tuberkulose, schwere Lungenerkrankung
  • UNNRA: United Nations Relief and Rehabilitation Administration, Hilfsorganisation der Vereinten Nationen
  • V 1: „Vergeltungswaffe“, Marschflugkörper Fieseler Fi 103, 1943
  • V 2: „Vergeltungswaffe“, erste Großrakete, 1944
  • VDM: Vereinigte Deutsche Metallwerke, 1930 durch die Übernahme der Heddernheimer Kupferwerke und Süddeutsche Kabelwerk AG in Frankfurt durch die Berg-Heckmann-Selve AG aus Altena, Zweigwerk in Mainz-Gustavsburg
  • VfSG Mz: Verein für Sozialgeschichte Mainz, www.sozialgeschichte-mainz.de
  • ZW: Zweigwerk. Die M.A.N. Gustavsburg richtete am Juni 1944 im Kalksteinbruch des Zementwerks Weisenau eine unterirdische Produktionsstätte ein.

Begriffserklärungen mit Hilfe von: Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt/M 2003


http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/ns-zwangsarbeit/227269/begriffe

Begriffe: Fremdarbeiter – Zwangsarbeiter – Sklavenarbeiter

In Quellen und Literatur werden unterschiedliche Begriffe verwendet, um die nationalsozialistische Zwangsarbeit zu bezeichnen. Der Oberbegriff "Zwangsarbeit" umfasst verschiedene Formen des Arbeitseinsatzes und konnte unterschiedliche Lebensumstände bedeuten.

Arbeitskarte der "Ostarbeiterin" Anna P., Linz 1943. (© Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945")

Auch in den zeitgenössischen Quellen finden wir verschiedene Bezeichnungen für Zwangsarbeit: Oft schrieben die Dienststellen oder Betriebe von "Ausländern", aber auch von "Gefangenen" oder "Fremdvölkischen", manchmal sogar von "Gastarbeitern". Im mündlichen Sprachgebrauch waren auch Schimpfwörter wie "Polenschweine" oder "Russenweiber" gängig. Hier werden die wichtigsten Bezeichnungen kurz erläutert.

Zwangsarbeit

Arbeit, die mit nicht-wirtschaftlichem Zwang und unter Androhung von Strafe verlangt wird. Unter Zwangsarbeit im Nationalsozialismus versteht man insbesondere die Verschleppung und Ausbeutung von über 13 Millionen ausländischen KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und zivilen Arbeitskräften in Deutschland. Zwangsarbeit gab es auch in Ghettos, Arbeitserziehungslagern und anderen Lagern im gesamten besetzten Europa und betraf insgesamt etwa zwanzig Millionen Menschen. Deutsche Jüdinnen und Juden und deutsche Häftlinge leisteten ebenfalls Zwangsarbeit. Daneben herrschte in vielen besetzten Ländern ein allgemeiner Arbeitszwang für die Zivilbevölkerung. Davon abzugrenzen sind die Arbeitspflichten für die deutsche Bevölkerung (Reichsarbeitsdienst, Dienstverpflichtung, Landjahr), die unter völlig anderen Bedingungen stattfanden.

Fremdarbeiter

Umgangssprachliche Bezeichnung für zivile Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus. Der Begriff "Fremdarbeiter" verschleiert den Zwang als Grundlage des Arbeitseinsatzes. Selbst die ursprünglich freiwillig, d. h. oftmals aus wirtschaftlicher Not nach Deutschland gekommenen "Fremdarbeiter" durften später ihren Arbeitsplatz nicht mehr verlassen. Der in den Quellen nur selten verwendete Begriff "Fremdarbeiter" fand nach 1945 Verbreitung, um den nationalsozialistischen Ausländereinsatz von der Beschäftigung der "Gastarbeiter" in der Bundesrepublik zu unterscheiden. In politischen Debatten werden Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten noch heute gelegentlich als "Fremdarbeiter" bezeichnet.

Fremdvölkische

Nationalsozialistische Bezeichnung für Menschen, die nicht "germanischer Abstammung" waren und nicht zur "Volksgemeinschaft" zählten. Als "fremdvölkisch" galten alle Ausländerinnen und Ausländer, die nicht aus "germanischen" Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien kamen. Als "rassisch minderwertig" wurden insbesondere Slawinnen und Slawen angesehen. Ganz unten in der NS-Rassenhierarchie standen Jüdinnen und Juden, "Zigeuner" und "Farbige"; sie galten als "fremdvölkisch", auch wenn sie Deutsche waren.

Sklavenarbeiter

Heutige Bezeichnung für völlig rechtlose Arbeitskräfte, vor allem für die Häftlinge von Konzentrationslagern. Der Begriff "Sklavenarbeiter" wurde in den Nürnberger Prozessen für alle zur Arbeit ins Reich Verschleppten verwendet. In den Entschädigungsverhandlungen der 1990er Jahre bezeichnete er dagegen nur die Gruppe der KZ-Häftlinge, die für die SS, für private oder staatliche Unternehmen arbeiten mussten und extrem ausgebeutet wurden ("Vernichtung durch Arbeit"). Der mit diesem Begriff verbundene Vergleich der NS-Zwangsarbeit mit der Sklaverei in anderen Epochen ist umstritten, unter anderen, weil die SS im Unterschied zu anderen Sklavenhaltern kaum am Überleben ihrer "Sklavenarbeiter" interessiert war.

Am 1. Oktober 1946 endete der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, der die "Sklavenarbeit" als zentrales Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten verurteilte. Im folgenden Video sprechen zwei Zeitzeugen und eine Zeitzeugin über Zwangsarbeit als Sklaverei. Sie verwenden den Begriff "Sklave" in unterschiedlichen Bedeutungen. Ausschnitte aus den Video-Interviews mit den Zwangsarbeitern Wasyl B., Bloeme E. und Claudio S. (© Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945")

Zivilarbeiter

Heutige Bezeichnung für Zwangsarbeiter, die keine Kriegsgefangenen oder KZ-Häftlinge waren. Im Sommer 1944 gab es im Deutschen Reich rund 5,7 Millionen ausländische Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter. Sie wurden von privaten Firmen, Behörden, Bauern oder Familien beschäftigt, untergebracht und überwacht. Kriegsgefangene und Militärinternierte unterstanden dagegen der Wehrmacht, Häftlinge der SS oder der Gestapo. Die Bezeichnung "Zivilarbeiter" verweist also nicht auf besonders zivilisierte Lebensumstände, sondern nur auf die nicht-militärische Verantwortung für ihre Zwangsarbeit.

Ostarbeiter

Nationalsozialistische Bezeichnung für Zivilarbeiter, die aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion stammten. Nach der anfänglichen Anwerbung von Freiwilligen folgte sehr bald die gewaltsame Verschleppung von 2,1 Millionen sowjetischen Frauen und Männern nach Deutschland. "Ostarbeiterinnen" und "Ostarbeiter" mussten das diskriminierende "OST"-Abzeichen tragen, wurden meistens in besonderen Lagern untergebracht und weitaus schlechter behandelt als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus anderen Ländern. Nach der Befreiung wurden viele von ihnen in der Sowjetunion wegen angeblicher Kollaboration diskriminiert oder verfolgt. Menschen aus Polen zählten nicht zu den "Ostarbeitern", wurden aber als Slawen ebenfalls besonders schlecht behandelt.

Am 20. Februar 1942 gab Heinrich Himmler die "Ostarbeiter-Erlasse" heraus. Sie unterwarfen über drei Millionen aus der Sowjetunion verschleppte zivile Arbeitskräfte einem diskriminierenden Sonderrecht. Im folgenden Interview-Ausschnitt (Audio) berichtet eine Zeitzeugin, wie sie bei der Zwangsarbeit in Chemnitz als "Ostarbeiterin" behandelt wurde. Audio-Slideshow mit Ausschnitten aus dem Audio-Interview und Fotos der sowjetischen Zwangsarbeiterin Hanna Fedoriwna H., Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945". Aktuelle Fotos der Diamant-Werke: Udo Thierfelder (© Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945")

Weiterführende Links

Nationalsozialistische Lager: Begriffserklärungen zu Konzentrations-, Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- und anderen Lagern auf der Webseite "Zwangsarbeit 1939-1945"

Lexikon in der Online-Anwendung "Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939-1945" mit ca. 150 Begriffserläuterungen zur NS-Zwangsarbeit (Registrierung notwendig)

Themenfilm 8. März 1940: Die Polen-Erlasse auf der Webseite "Zwangsarbeit 1939-1945" (Ausschnitte aus 3 Interviews, 10 Minuten)

Themenfilm 8. September 1943: Die italienischen Militärinternierten auf der Webseite "Zwangsarbeit 1939-1945" (Ausschnitte aus 3 Interviews, 9 Minuten)


Bildnachweis für die Tafeln

"Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen 1940 – 1945"

  • HHStA Wi, 520 R.Reinhardt / HHStA Wi, 520 R.Reinhardt

"NS-Diktatur 1933 – 1945 auch in Gustavsburg"

  • Privatbesitz / HHStA Wi, 520 R.Reinhardt

"Im 2. Weltkrieg: M.A.N.-Mitarbeiter an die Front – Zwangsarbeiter nach Mainz-Gustavsburg"

  • HHStA Wi, 520 R.Reinhardt / M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986

"Menschen wie wir? Nationalsozialistische Anweisungen für den Ausländereinsatz"

  • Privatbesitz / Ausländerkartei Gustavsburg 1940 - 1945

"Das Barackenlager auf dem M.A.N.- Betriebsgelände – ein 'Rosengarten' "

  • HHStA Wi, 520 R.Reinhardt / HHStA Wi, 520 R.Reinhardt

„Ich lebe in der Fremde, wo die Welt einem nicht lieb ist.“ Zum Alltag der Zwangsarbeiter

  • Privatbesitz / Privatbesitz / Ausländerkartei Gustavsburg 1940 - 1945

„Den Hunger vergisst man, aber nicht die Erniedrigungen und die Angst.“

  • M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986

„Es gibt überall gute und schlechte Menschen.“

  • Studienkreis Widerstand 1933-1945, Frankfurt/M

"Im Lager geboren: Zwangsarbeiterkinder in Gustavsburg"

  • HHStA Wi, 520 R.Reinhardt / HHStA Wi, 520 R.Reinhardt

"Luftkrieg über der Mainspitze – kaum Schutz für Zwangsarbeiter"

  • M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986 / M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986

"Für den „totalen Krieg“ – das M.A.N.-Zweigwerk Weisenau"

  • M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986 / M.A.N.-Archiv Gustavsburg 1986

"Das Ende: 19. März 1945"

  • M.A.N.-Archiv Gustavsburg / HHStA Wi, 520 R.Reinhardt

"Kriegsende: Vergessen und Verdrängen"

  • Titelbild des Buches / Mainzer Allgemeine Zeitung vom Mai 2019

Zum Weiterlesen: wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Literatur

    • Bähr, Johannes, Banken, Ralf, Flemming, Thomas, Die MAN. Eine deutsche Industriegeschichte, München 2008
    • Benz, Wolfgang, Diestel, Barbara (Hrsg.), Hinzert. Das Konzentrationslager Hinzert und seine Außenlager, München 2008
    • Brechtken, Magnus, Albert Speer. Eine deutsche Karriere, München 2017
    • Brüchert, Hedwig, Das „Lager Rhein“ auf der Ingelheimer Aue in Mainz – Arbeitserziehungslager Polizeihaftlager, Erweitertes Polizeigefängnis, Nebenlager des SS-Sonderlager Hinzert? (unveröffentlichtes Manuskript)
    • Brüchert, Hedwig, Das Nebenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert und andere Lager im Portland-Zementwerk in Mainz-Weisenau (unveröffentlichtes Manuskript)
    • Brüchert, Hedwig, Zwangsarbeit 1939 -1945  -  der „Arbeitseinsatz“ von zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in den Regionen des heutigen Landes Rheinland-Pfalz, in: http://www.zwangsarbeit .rlp.geschichte.uni-mainz.de/F_Bruechert01.htm
    • Büchner, Fritz, Hundert Jahre Geschichte der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, hrsg. Im Auftrag des Vorstands (Meyer, Wellhausen, Plochmann, Reinhardt, Sörensen), Societäts-Druckerei Frankfurt/M
    • Busch, Arnold, Widerstand im Kreis Groß-Gerau 1933-1945, Groß-Gerau 1988
    • Cordier, Pierre, Als Zwangsarbeiter auf der Schiffswerft in Mainz-Gustavsburg 1943 bis 1945, herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Hedwig Brüchert. Sonderheft der Mainzer Geschichtsblätter, hrsg. Vom Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V., Mainz 2005
    • Duch, Helene, Die Traurigkeit verlässt mich nicht. Erinnerungen an eine verlorene Kindheit, ²2012
    • Feyer, Sven, Die MAN im Dritten Reich. Ein Maschinenbauunternehmen zwischen Weltwirtschaftskrise und Währungsreform, Baden-Baden 2018
    • Fritz Bauer Institut (Hrsg.), Materialienmappe „Das Konzentrationslager Buna-Monowitz“. Reader Zur Vorbereitung auf die Ausstellung des Fritz Bauer Instituts: Die IG Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz. Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus, Frankfurt/M 2018
    • Gottschalk, Vivien, Notgedrungene Nachbarschaft. Mutig? Aufsässig? Nutzlos? Die M.A.N._Gustavsburg und ihre Zwangsarbeiter. Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2012/2013: Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte. Rhabanus-Maurus-Gymnasium Mainz, Februar 2013
    • Hartwig-Thürmer, Christine, Ginsheim-Gustavsburg-Bischofsheim 1933-1945. Die Mainspitze unterm Hakenkreuz, Frankfurt/M 1989
    • Hartwig-Thürmer, Christine, Riedt, Bernhard, „Das sind doch Menschen wie wir…“ Ausländische Arbeiter bei der M.A.N.-Werk Gustavsburg 1940 bis 1945 vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Fremdarbeiterpolitik, in: Mainzer Geschichtsblätter, Veröffentlichungen des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. Heft 5, Juni 1989, S. 83-125
    • Hartwig-Thürmer, Christine, Zwangsarbeit in Mainz-Gustavsburg 1942-1945, in: Hans-Georg Meyer, Hans Berkessel (Hrsg.), Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, 3 Bände, Mainz 2001, 3.Band: „Unser Ziel – die Ewigkeit Deutschlands“, S. 53 - 59
    • Hedwig Brüchert, Zwangsarbeit in Wiesbaden. Der Einsatz von Zwangsarbeitskräften in der Wiesbadener Kriegswirtschaft 1939 bis 1945, Wiesbaden 2003
    • Informationen. Wissenschaftliche Zeitschrift des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V., Rossertstraße 9, 60323 Frankfurt/M, darin:  Nora Idsikowskaja, „Ich werde nicht mit Faschisten gegen meine Heimat zusammenarbeiten.“, nach einem Interview von Ursula Krause-Schmitt (22.6.1994), Nr. 41, 1995, S. 10-18
    • Kakucs, Lajos, Das Leben in Ginsheim-Gustavsburg im Wandel der Zeit, Ginsheim-Gustavsburg 2005
    • Kersandt, Kerstin, Polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder, in: Hedwig Brüchert, Zwangsarbeit in Wiesbaden. Der Einsatz von Zwangsarbeitskräften in der Wiesbadener Kriegswirtschaft 1939 bis 1945, Wiesbaden 2003, S. 187-236
    • Klee, Ernst, Das Personenlexikon zum Dritten Reich: wer war was vor und nach 1945?, Frankfurt/M 2003
    • Leiwig, Heinz, Finale 1945 Rhein-Main, Düsseldorf 1985
    • Leiwig, Heinz, Flieger über Rheinhessen. Der Luftkrieg 1939 bis 1945, Alzey 2002
    • Leiwig, Heinz, Leidensstätten in Mainz 1933 bis 1945. Eine Spurensicherung, Mainz 1987
    • Leiwig, Heinz, Neliba, Dieter H., Die Mainspitze im Fadenkreuz der Royal Air Force und der 8. USAAF. Bischofsheim 1939-1945, Ginsheim-Gustavsburg 1985
    • Memorial International (Moskau), Heinrich-Böll-Stiftung (Berlin) (Hrsg.), „Für immer gezeichnet“. Die Geschichte der „Ostarbeiter“ in Briefen, Erinnerungen und Interviews, Berlin 2019 (russische Originalausgabe 2016)
    • Neliba, Dieter H., Eisenbahnbrücken im Raum Mainz/Wiesbaden, Ginsheim-Gustavsburg 1979
    • Neliba, Günter, M.A.N.-Werk Gustavsburg bei Mainz. 100 Jahre zivile und militärische Produktion (1860-1960), Frankfurt/M, 2002
    • Pollemans, Piet J., Als Zwangsarbeiter in Deutschland. Erinnerungen an die Jahre 1943-1945 in Rüsselsheim und Wetzlar, Rüsselsheim 2000
    • Spoerer, Mark, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945, Stuttgart/München 2001
    • Volkshochschule Rüsselsheim/Arbeit und Leben (Hrsg.), Gastarbeiter-Fremdarbeiter-Kriegsgefangene. Zur Ausländerbeschäftigung bei Opel Rüsselsheim. Drei Vorträge aus der Reihe: „Wir alle machen Geschichte…“, Rüsselsheim 1991
    • Wenke, Otto, Daschmann, Claus, Chronik von Ginsheim-Gustavsburg, Ginsheim-Gustavsburg 1976


    Archive zum weiteren Forschen:


    • Archiv der Stadt Ginsheim-Gustavsburg: Stadtverwaltung Ginsheim-Gustavsburg, Schulstraße 12, 65462 Ginsheim-Gustavsburg
    • Archiv von Memorial International, Aljona Koslowa, Moskau, Алена Козлова <kozlova@memo.ru>
    • Ausländerkartei von Mainz-Gustavsburg 1940 – 1950 (zurzeit in Bearbeitung)
    • Bundesarchiv Berlin, Finckensteinallee 63, 12205 Berlin
    • Gedenkstätte KZ-Osthofen, Ziegelhüttenweg 38, 67574 Osthofen
    • Gemeindearchiv Bischofsheim, Schulstraße 13, 65474 Bischofsheim
    • Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Mosbacher Straße 55, 65187 Wiesbaden
    • Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt
    • Hessisches Stadtarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt
    • Hessisches Wirtschaftsarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3 64289 Darmstadt
    • Historisches Archiv – MAN Museum Augsburg, Heinrich von Buz-Straße 28, 86135 Augsburg
    • Historisches Archiv der MAN Truck & Bus AG, Dieselstraße 11, 85757 München
    • International Tracing Service Bad Arolsen, Große Allee 5-9, 34454 Bad Arolsen
    • Studienkreis Deutscher Widerstand, Dokumentationsarchiv, Rossertstraße 9, 60323 Frankfurt/M
     
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