Junge Mainzer Jazzband „Fraktion Fe“ überzeugt in den Burg-Lichtspielen

"Fraktion Fe" in der Reihe "Jazz im Kino"

 

Treibende Grooves und intimes Zusammenspiel, zerbrechliche Melodien und mächtige, fast orchestrale Klänge – beim Auftritt von „Fraktion Fe“ in der Reihe „Jazz im Kino“ treffen scheinbare Gegensätze aufeinander. Bandleader und Pianist Fe Fritschi, auch verantwortlich für die Kompositionen, Max Steinau (Gitarre), Grégoire Pignède (Kontrabass), Eddy Sonnenschein (Schlagzeug), Francois Heun (Saxophon und Flöte), Nicolaj Wolf (Posaune) und Helen Skobowsky (Gesang) bilden das junge Septett, das sich Ende 2019 in Mainz gegründet hat. Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Band einen Strich durch die Rechnung gemacht – das Konzert in den für Coronaverhältnisse gut besuchten Gustavsburger Burg-Lichtspielen ist der vierte Auftritt der Formation überhaupt.

Der mit mysteriösen Akkordbrechungen beginnende Opener „Das Nest“ mündet in einen entspannten Backbeat, „Mairosa“ und „Schneidercrombie“ (benannt nach Bigbandkomponistin Maria Schneider sowie Jazzgitarrist John Abercrombie) sind subtiler, aber selbstbewusster Modern Jazz, während „Quality Shit“ sowie „Train to last night“ fast popmusikalisch anmuten. Durchbrochen und aufgelöst wird das alles von kollektiven improvisierten Klanggebräuen, oftmals in Form von Überleitungen zwischen Stücken.

Eine typische Rollenverteilung scheint es in diesem Ensemble nicht zu geben: Mal bilden Gitarre, Gesang und Bläser einen Satz, mal treten sie solistisch hervor, mal kontrapunktieren sie einander und manchmal schlüpfen sie in die Rolle der Begleitung. Das Ergebnis ist, dass die Besetzung wie eine Bigband klingen kann oder aber sich kammermusikalische Zellen innerhalb des Gefüges bilden.

Eine kleine Überraschung erwartet das Publikum nach der Pause: Francois Heun und Fe Fritschi, diesmal am Akkordeon, betreten die Bühne als Duo und spielen sich mit „In Plüsch“ in einen regelrechten Rausch. Die ganze Band kehrt mit einem Arrangement von Kenny Wheelers „Sea Lady“ zurück, vertextet von der englischen Sängerin Norma Winstone. Es folgen wieder zwei Kompositionen Fritschis: „Homegrown“, in dem sich ungerade Taktarten mit Funkgrooves abwechseln, und die Ballade „Children of Voices”, die von Grégoire Pignède mit einem freien Kontrabasssolo eingeleitet wird.

Kurz vor Schluss dreht die Band noch einmal richtig auf: Im letzten Stück „Triple Agent“ erklingt eine Melodie mit einer Ahnung von Flamenco, ehe erst Fritschi am Klavier, Pignède am Bass und Sonnenschein am Schlagzeug und schließlich die ganze Band die Rhythmen auseinandernehmen und neu zusammenfügen, bis das Stück seinen Höhepunkt in einem fast hymnischen Finale nimmt.

Auf die Forderung nach einer Zugabe ist die Band vorbereitet: “I don't know where I stand” von Joni Mitchell, veröffentlicht 1969 auf ihrem Durchbruch-Album „Clouds“, wird gefühlvoll von Helen Skobowsky vorgetragen, die Bläser begleiten mit an- und abschwellenden Tönen und es gibt reichlich Raum für spontane Interaktionen, die jedoch nie den Rahmen der Ballade sprengen.

Das nächste Konzert der Reihe „Jazz im Kino“ steht am 28.10.2021 in den Burg-Lichtspielen an. David Friedman (vib) und Peter Weniger (t-sax) präsentieren die eher seltene Kombination von Vibraphon und Saxophon - ein außerordentliches, außergewöhnliches und elegantes Duo:  das „Duo Elegance“

Tickets (13,00 €, erm. 10,00 €) für das Konzert können mit Terminvergabe in den Bürgerbüros gekauft werden.

Die Mitarbeiter*innen des Bürgerbüros und des Kulturbüros können Ticketreservierungen auch telefonisch annehmen. Die Karten müssen 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abgeholt werden, ansonsten werden sie wieder zum Verkauf freigegeben.

Online können Tickets für die Veranstaltungen auch unter tickets.gigu.de erworben werden.

 

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