

Einmal mehr jedoch zeigte sich der Gustavsburger Hafen als wandlungsfähig: Bereits 1967 kaufte die Deutsche BP Hamburg ein großes Areal im Hafengebiet und baute hier bis 1969 ein Tanklager. Bis 1971 wurde die Anlage nochmals erweitert. Heute ist das Tanklager einer der großen Standorte von BP in Deutschland. In 28 Hochtanks können insgesamt 286 000 Kubikmeter Benzin, Superbenzin, SuperPlus, Diesel, Flugbenzin und Heizöl gelagert werden. Um die Tanks aufbauen zu können, wurden die beiden Hafenbecken II und III zugeschüttet. Das alte Hafenbecken I aus dem Jahr 1858 jedoch ist bis heute als Tankhafen in Betrieb. Betrieben wird das Tanklager von Lehnkering, einem der größten europäischen Dienstleister für Speziallogistik. Ein Großteil des Treibstofftransports wird heute von den Fachleuten für Lagerung und Transport von Erdölprodukten nicht mehr über Wasser, Schiene und Straße abgewickelt, sondern über eine Pipeline aus Rotterdam. Auch der Flughafen Frankfurt ist Großkunde des Tanklagers und wird vom Hafen Gustavsburg aus mit einer eigenen Pipeline versorgt.
Neben den Rohrleitungen spielen vor allem Tanklastwagen und Eisenbahn-Kesselwagen eine wichtige Rolle für den Treibstofftransport. Denn vom Gustavsburger Tanklager werden Kunden in der gesamten Region versorgt. Spediteure bringen mit ihren Tankwagen Treibstoff und Heizöl zu Kunden im ganzen Rhein-Main Gebiet, aber auch bis in die Pfalz. Großabnehmer schätzen die Möglichkeit, Treibstoff mit der Eisenbahn im Kesselwagen geliefert zu bekommen – der seit dem Beginn des Hafenbaus bestehende Bahnanschluss macht es möglich.
Während das Hafenbecken I heute ausschließlich als Tankhafen dient, ist das Becken IV noch immer ein viel genutzter Anlegeplatz für die Güter- und Sportschiffahrt. Die Harpener Bergbau AG, Nachfolger der Gebrüder Kannengießer, baute an der Stelle ihrer alten Brikettfabrik durch die Abteilung Schifffahrt einen Güterhafen auf. Die heutige HTAG (Häfen- und Transport AG, Duisburg), erweiterte das Areal noch um Flächen der Bundesbahn, in deren Besitz der größte Teil des Hafens war.
Insgesamt, so Gottfried Tietz von der HTAG, besitzt das Unternehmen heute mehr als 100 000 Quadratmeter Lager- und Wasserfläche am Standort Gustavsburg, die Kai- und Uferflächen des Hafenbeckens sind rund 1,2 Kilometer lang. Die zur Nutzung bereitstehenden Flächen verfügen über eine entsprechende Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz (BimSch-Genehmigung). Der Umschlag von Waren erfolgt durch drei Kräne und das übliche Equipment eines modernen Hafenbetriebes. Sowohl nördlich als auch südlich des Hafenbeckens werden verschiedene Massengüter be- und entladen. Kohle macht dabei im Gegensatz zu früheren Jahren den kleinsten Anteil am Gesamtaufkommen aus. Vielmehr werden heute Baustoffe jeglicher Art mit dem Schiff an- und abtransportiert, auch Rohstoffe wie zum Beispiel Schrott.
Die Kunden, die den Service des Hafens nutzen, kommen nicht nur aus der Region, sondern auch aus einem deutlich größeren Umkreis von rund 200 Kilometer. Betreut werden die Kunden von zwei kaufmännischen und fünf gewerblichen Mitarbeitern der HTAG, die für eine reibungslose Abfertigung von etwa 650 000 Tonnen Gütern im Jahr sorgen.
Die Zukunft des Standorts Gustavsburg sieht Gottfried Tietz äußerst positiv: „Der Hafen IV hat sich im letzten Jahrzehnt zu einer multimodalen Schnittstelle entwickelt und erfüllt alle Anforderungen der verladenden Wirtschaft an einen modernen Hafen“. Der Begriff der multimodalen Schnittstelle bezeichnet die sehr gute Infrastruktur des Hafens: Zwei Anschlussgleise bieten der HTAG und ihren Kunden die Gewähr für eine schnelle und effiziente Ganzzugsabwicklung, auch die Autobahn ist in weniger als 5 Minuten zu erreichen.
Die exzellente Verkehrsanbindung des Gustavsburger Hafens hat auch zahlreiche weitere Unternehmen davon überzeugt, sich hier anzusiedeln. So hat seit 1988 die GS Kranservice GmbH ihren Hauptsitz am Gustavsburger Hafen. Das Spezialunternehmen für Kranarbeiten und Schwertransporte arbeitet mit einer Flotte von 14 Teleskopkränen mit einer Tragkraft zwischen 25 und 500 Tonnen. Dazu kommen Zugmaschinen und Tieflader für Schwertransporte sowie zahlreiche weitere Spezialmaschinen für den Transport von schweren Gütern. Die Kunden der GS Kranservice GmbH finden sich im gesamten Rhein-Main Gebiet, daher waren die zentrale Lage des Areals und die sehr gute die Anbindung des Gustavsburger Hafens an das Straßennetz wichtige Gründe für die Ansiedlung.
Seit 1997 ist die Frankenbach GmbH in Gustavsburg (Hafen und Kupferwerk) ansässig. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Mainz-Kastel ist Spezialanbieter für Logistik und Transporte. Am Standort Hafen kümmern sich 15 Mitarbeiter um verschiedene Aufgaben innerhalb der Automobillogistik. Auf Spezialwaggons, Roll-off-Roll-on-Schiffen und mit Autotransportern kommen Fahrzeuge an, werden gelagert und wieder versandt. Außer der Lagerung gehören auch Dienstleistungen wie Aufbereitung, Fahrzeugwäsche, Beklebung und die Technische Durchsicht zu den Arbeiten, die Frankenbach für seine Kunden am Standort Gustavsburg übernimmt. Die Frankenbach Automobil Logistik GmbH hat in Gustavsburg mittlerweile eine Betriebsfläche von rund 100.000 Quadratmetern. Für den Standort spricht vor allem die zentrale Lage im Rhein-Main Gebiet mit der Nähe zum Opel-Werk und den Autobahnen. Außerdem bietet sich der Hafen als Schnittstelle an für den Automobiltransport mit Sattelzug, Eisenbahn und Schiff.
Ebenfalls im Gustavsburger Hafen ist die TSR Recycling GmbH & Co präsent. Das Unternehmen mit Standorten in ganz Deutschland ging aus den Firmen Thyssen Sonnenberg und Klöckner Rohstoff-Recycling hervor. TSR ist heute eine hundertprozentige Tochter der niederländischen SHV (Steenkolen Handels-Vereeniging) und einer der führenden Anbieter auf dem internationalen Markt für das Recycling von Stahlschrott und Metallen.
Nahe des Hafengebietes hat auch die Rhein-Main-Donau Schifffahrtsagentur ihren Sitz. Das Service-Unternehmen wurde 1999 gegründet und vermittelt Fachkräfte für die Binnenschifffahrt auf europäischen Flüssen. Dazu zählt Ablösepersonal ebenso wie Lotsen.
Der Gustavsburger Hafen hat aber nicht nur für die gewerbliche Schifffahrt eine hohe Bedeutung: Ein Teil des Hafenbeckens dient dem Segelclub Mainspitze als Liegeplatz. Der 1963 gegründete Verein hat sein Bootshaus am Hafenbecken IV, als Vereinsheim dient ein Teil des alten Forts Mainspitze.
Informationen:
sight-board Ginsheim-Gustavsburg
In Ansprechspartner in Sachen Wirtschaftsförderung ist Andreas Klopp.