

Mit der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg fand die französische Stadt Bouguenais einen deutschen Partner für ihr Konzept einer Verschwisterung zwischen zwei europäischen und einer afrikanischen Kommune. Die Dreier-Entwicklungspartnerschaft wurde von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen.
Bei der Verschwisterung am 14. Oktober 1989 in Bouguenais besiegelten die damaligen Bürgermeister François Autin und Enno Siehr sowie der Gemeinderatsvorsitzende der senegalesischen Landgemeinde Ballou, Mamadou Boubou Nianghane, mit ihrer Unterschrift eine dreisprachige Jumelage-Coopération-Charta (deutsch, französisch, Soninké). Die Rückverschwisterung wurde am 26. Mai 1990 in Ginsheim-Gustavsburg gefeiert. Bei den Zeremonien wirkten jeweils im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung viele Vereine, die Schulen, Gemeindeparlamentarier, Beigeordnete, Bürgermeister, prominente Kommunalpolitiker und viele andere Bürgerinnen und Bürger mit.
Die Feierlichkeiten zum 5jährigen Bestehen der Dreier-Partnerschaft (21.-23.10.1994) in Bouguenais wurden von einem Projekt ("Multikulturelles Jugendspektakel") begleitet. Die CHARTA wurde um die lokale senegalesische Sprache Pulaar erweitert, durch die Unterschriften der Bürgermeisterin Françoise Verchère, ihres deutschen Amtskollegen Richard von Neumann sowie des Gemeinderatsvorsitzenden von Ballou, Hamidou Sada Timera, bekräftigt und hängt - wie auch die Verschwisterungsurkunde - öffentlich im Rathaus Gustavsburg aus.
Das 10jährige Bestehen der Dreier-Entwicklungspartnerschaft wurde Ende Oktober 1999 in Ginsheim-Gustavsburg unter tatkräftiger Mitwirkung vieler Ortsvereine mit einem mehrtägigen Kulturprogramm gefeiert und war ebenfalls in ein tri-nationales Jugendprojekt eingebettet (künstlerische Wandgestaltung an der Gesamtschule Mainspitze, Bühnenbild).
In den Jahren 2004/2005 feierten die verschwisterten Gemeinden erneut ein Jubiläum – im 15. Jahr der Partnerschaft fanden die Feierlichkeiten diesmal in der Landgemeinde Ballou statt. Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern aus Bouguenais und Ginsheim–Gustavsburg bereiste im Februar 2005 die senegalesische Partnergemeinde.
Bouguenais (bei Nantes) liegt 930 Kilometer von Ginsheim-Gustavsburg entfernt und hat strukturell viel mit der Mainspitzgemeinde gemeinsam. Die französische Partnerstadt umfasst mit Les Couets und Le Bourg/La Croix Jeannette ebenfalls zwei Ortsteile, die wie Ginsheim und Gustavsburg durch eine Autobahn voneinander getrennt sind. Bouguenais liegt - ebenso wie ihre deutsche Partnergemeinde am Rhein - an einem großen Fluss (Loire). Und nicht zuletzt gibt es ganz in der Nähe ebenfalls einen Flughafen (Nantes), der für die Region große wirtschaftliche Bedeutung hat, aber auch für eine entsprechende Lärmbelästigung verantwortlich ist.
Schilder an allen Ortseingängen von Ginsheim-Gustavsburg weisen auf die Verschwisterung mit Bouguenais und Ballou hin. Bei den großen Heimatfesten (Burg-, Altrheinfest) werden in beiden Ortsteilen stets auch französische und senegalesische Fahnen gehisst. Delegationen aus Bouguenais betreiben bei diesen Heimatfesten einen Stand mit bretonischen Spezialitäten (Crèpes, Muscadet, Cidre usw.). Der Verkaufserlös kommt der Landgemeinde Ballou zugute. Die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg weist in ihrer Ortsbroschüre, ihren Werbeanzeigen, mit ihrem Poststempel und auf ihrer Homepage auf die Dreierpartnerschaft hin.
Die Partnerschaft soll hauptsächlich von den Vereinen, Schulen und der Bevölkerung getragen werden. Deshalb fahren nach Bouguenais immer wieder sogenannte „Offizielle Busse“. An diesen Besuchsfahrten kann jeder Bürger teilnehmen. Der Teilnehmerbeitrag soll der Landgemeinde Ballou zugute kommen. Die Unterbringung der Mitreisenden erfolgt meist privat in Gastfamilien, um den unmittelbaren Kontakt mit Land und Leuten zu fördern.
Der im Jahr 2006 gegründete Verein für Städtepartnerschaften Ginsheim-Gustavsburg e.V. hat zur Aufgabe, den Austausch zwischen Vereinen, Kirchen, Schulen und sonstigen Institutionen der Partnergemeinden zu organisieren und die Partnerschaft mit Leben zu füllen. Ein wichtiges Anliegen des Partnerschaftsvereins ist dabei auch der Jugendaustausch.
Kontakt: Gerhard Frick (Vorsitzender), Ulmenstraße 26, 65474 Bischofsheim, Telefon: 06144 401482, E-Mail
Die Landgemeinde Ballou zählt rund 15.000 Einwohner und umfasst zehn Dörfer, die etwa 900 Kilometer östlich von der senegalesischen Hauptstadt Dakar fast alle direkt am Fluss Senegal (Grenze zu Mauretanien) oder am Falémé (Fluss an der Grenze zu Mali) liegen. Die Bevölkerung lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft (Anbau von Reis, Süßkartoffeln, Hirse, Mais, Gemüse, Bananen), von der Viehzucht oder vom Fischfang. Es gibt kein Telefon- oder Straßennetz und erst in zwei Dörfern Strom. Zwischen den Dörfern verkehren Busch-Taxis. Die Pistenverbindungen sind für Autos jedoch in und unmittelbar nach der Regenzeit unpassierbar. Bei der Gemeindeverwaltung ist eine Kurz-Information über Ballou erhältlich.
Bouguenais engagiert sich in Ballou seit 1984 mit Projekten wie Alphabetisierung, Brunnenbau, Gesundheitsposten, Schul-, Berufsbildung oder Hirsemühlen. Ginsheim-Gustavsburg hat den Bau von zwei öffentlichen Brunnen finanziert und vor allem die „Funktionelle Alphabetisierung" gefördert, bei der in örtlichen Dialekten (Pulaar, Soninké) Kenntnisse über Familienplanung, Gesundheitsvorsorge, Hygiene, Ackerbau oder Viehzucht vermittelt werden und mit angesparten Geldern Kleinprojekte (z.B. Seifenkocherei, Färbereien, Nähstuben) gestartet werden.
Sämtliche Projekte in der Landgemeinde sind als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt und werden bei sogenannten Dreiertreffen koordiniert, die mindestens einmal im Jahr wechselweise in Ginsheim-Gustavsburg, Bouguenais oder in Paris stattfinden. In Paris deshalb, weil dort die senegalesischen Emigranten aus der Landgemeinde Ballou ein Partnerschafts-/ Verbindungsbüro eingerichtet und ebenfalls eine Verschwisterungskommission etabliert haben.
Hervorzuheben ist deren persönliches Engagement bei der Finanzierung einer weiterführenden Schule im Dorf Golmy – eines der 10 Dörfer der Landgemeinde. Diese stellt für die relativ kleine C.R. Ballou eine im Senegal einmalige Situation im Bildungsbereich dar und reiht sich konsequent in die Zielsetzung „Entwicklung durch Bildung“ der Partnerschaft ein.
Alljährlich nimmt eine Offizielle Delegation im Rahmen einer zweiwöchigen Rundreise die Projekte in der Landgemeinde Ballou in Augenschein. Dabei werden meist alle Dörfer der Landgemeinde besucht. An dieser Delegationsreise nehmen Beigeordnete, Gemeindevertreter/-innen, sachkundige Spezialisten (z.B. Landwirtschaft, Alphabetisierung) und interessierte Bürger/-innen aus Ginsheim-Gustavsburg und Bouguenais sowie Delegierte der Pariser Emigranten teil. Die Delegation stimmt mit den Verantwortlichen vor Ort (Gemeinderat, Präfekt) das weitere Vorgehen ab. Über die Delegationsreise wird dem Gemeindevorstand, dem Gemeindeparlament und der Öffentlichkeit berichtet.
In Ginsheim–Gustavsburg kümmert sich seit 1997 der gemeinnützige Förderverein „Partnerschaft C.R. Ballou – Ginsheim-Gustavsburg“ um verschiedene Entwicklungsprojekte in der Landgemeinde. Meist am zweiten Mittwoch jeden Monats trifft sich im Gustavsburger Bürgerhaus der Vorstand des Fördervereins C.R. Ballou in öffentlicher Sitzung. Der Förderverein zählt über 60 Mitglieder.
Kontakt: Solveig Driesel, Schwarzwaldweg 11, 65462
Ginsheim-Gustavsburg, Telefon: 06144/2374
Bei der Gemeindeverwaltung ist Andreas Klopp und Gabriele Höhr, im Rathaus Gustavsburg, für die Städtepartnerschaft zuständig.