Angeblich kein Fluglärm in der Mainspitze ?

Bürgermeister Richard von Neumann bezieht bei Erörterungstermin in Offenbach zum Thema Flughafenausbau Stellung

Die Folgen eines möglichen Flughafenausbaus für die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg stellte Bürgermeister Richard von Neumann am vergangenen Freitag bei dem Erörterungstermin in der Stadthalle Offenbach dar. Wie die meisten seiner Amtskollegen aus den Städten und Gemeinden des Rhein-Main-Gebietes, die bei dem Termin ihre Argumente gegen des Ausbau vorbrachten, verurteilte er in aller Schärfe die Ausbaupläne sowie die Vorgehensweise der Fraport AG.

Schon jetzt betrage die Zahl der Landeanflüge über dem Gemeindegebiet rund 60.000 pro Jahr. Außerdem sei Ginsheim-Gusavsburg wie viele andere Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet bereits von zahlreichen anderen Lärmquellen, die von der Eisenbahntrasse, der Bundesstraße und den Autobahnen ausgehen, betroffen, betonte von Neumann.

Als größte Provokation empfinde er es, dass laut den Antragsunterlagen der Fraport AG in der Mainspitze überhaupt kein nennenswerter Fluglärm vorhanden sein soll, weder zur Zeit noch im Ausbaufall. „Gerne laden wir die Laborprofessoren der Fraport AG in die angeblich fluglärmfreie Zone Mainspitze ein, damit sie im freien Feldversuch unter Echtzeitbedingungen ihre erstaunlichen Ergebnisse überprüfen können“, sagte von Neumann in seinem fast 30-minütigen Vortrag.

Im Falle eines Ausbaus wäre Ginsheim-Gustavsburg im Jahr 2015 von 30.000 zusätzlichen Landeanflügen betroffen. Hinzu kämen jährlich auch noch rund 50.000 Starts, welche die Bevölkerung beider Ortsteilen bei entsprechender Betriebsrichtung zu erleiden hätte. Für die Gemeinde bedeutet dies, dass sie statt bisher zu 25 Prozent des Jahres in Zukunft zu 100 Prozent des Jahres, also täglich, mit Fluglärm beschallt wird.

Diese Entwicklung hätte für Ginsheim-Gustavsburg erhebliche Folgen, machte von Neumann deutlich. Neben der Lärmbelastung seien gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten. Eine starke Bedrohung gehe von dem Gustavsburger Tanklager im Falle eines Flugzeugabsturzes aus, wenn die Nordwestbahn realisiert würde. Die neue Anflugroute führe dann nämlich direkt über das Treibstofflager.

„Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen eines Ausbaus sind zur Zeit noch gar nicht absehbar“, so der Bürgermeister. Sicher sei jedoch, dass die Qualität des Wirtschaftsstandortes unter dem Ausbau leiden würde. Investoren würden sich kaum noch finden, die bereit wären einen Bauplatz zu kaufen. „Wofür sollen wir dann noch Baugebiete ausweisen?“ fragte von Neumann die anwesenden Vertreter der Fraport AG.

Als unrühmliches Kapitel des Ausbauverfahrens bezeichnete er die Tatsache, dass sich die Landesregierung als Miteigentümer des Flughafens und Träger des Verfahrens offen und ungeniert als „Vollstrecker der Fraport-Interessen“ erwiesen habe. Die gebotene Neutralität im Verfahren zweifelte er deshalb an. Von Neumann betonte ausdrücklich, dass die Gemeinde alle rechtlichen Schritte unternehmen werde und notfalls durch alle Instanzen geht, um den Ausbau zu verhindern.

 

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